JETZT ist die Zeit!

Mit voll50 sollte man viele Hintertüren offen haben, vor allem jene zur Natur. Sie bringt die Gelassenheit, die Astrid Stockinger für ihr vielfältiges und buntes Leben braucht.

VOLL50: Wie sollte frau sich mit voll50 fühlen, wenn sie sich selbst beim Leben beobachtet?

Astrid Stockinger: GELASSEN UND FREUDVOLL. So würde ich gerne durchs Leben schreiten, das wäre zumindest mein Ziel. 😀 Für mich war mein 47. Geburtstag eine Zäsur, da wurde mir schlagartig bewusst, dass ich nicht alles, was mir große Freude bereitet, auf später verschieben kann, dass jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit (eher sehr sicher) die erste Lebenshälfte vorbei ist. Und für vieles, was ich anpacken oder schlicht genießen möchte, JETZT der richtige Zeitpunkt ist. Davor bin ich mal mehr, mal weniger durchs Leben gehetzt. Schule, Studium, Anstellung, Kinder, Selbstständigkeit, politisches Engagement und, und, und … Und mir immer wieder gedacht, nächstes Jahr würde ich gerne mal …JETZT nehme ich mir mehr Zeit für Entscheidungen, was die nächsten Schritte/Projekte sind, die ich angehen möchte. Und ob ich das wirklich will. Ich habe gelernt, Nein zu sagen. Ich nehme mir meine Auszeiten und genieße diese wesentlich mehr. Ich schaffe es mittlerweile auch, mich nicht überall mit 1000% reinzusteigern. Also Gelassenheit gelingt mir zunehmend besser … Freude kommt auch immer wieder auf, trotz der aktuellen Weltlage.

VOLL50: Welche Hintertüre ist im Idealfall sperrangelweit offen?

Astrid Stockinger: VIELE. Ich kann mittlerweile beinahe jederzeit NEIN sagen, wenn ich etwas nicht mehr möchte. Oder wenn das Leben mich aus einem Weg katapultiert. Es gibt so viele Möglichkeiten. Und da ich immer schon auf vielen Hochzeiten getanzt habe, mache ich mir wenig Sorgen, irgendwann mal in einer Sackgasse zu stecken. Ich habe es mittlerweile öfter erlebt, dass sich meine berufliche oder private Situation komplett geändert hat. Und im Nachhinein hat es sich immer als Segen erwiesen. Mit Gelassenheit auf das, was kommt, zu blicken, ist extrem wertvoll. Das konnte ich früher nicht.

VOLL50: Wie weit haben sich mit voll50 Träume und Talente umarmt?

Astrid Stockinger: Es wird zunehmend besser. Ich akzeptiere meine Stärken und Schwächen und betrachte mich selbst wesentlich liebevoller, als in meinen 20er oder 30er Jahren. Das tut unglaublich gut. Ich denke, ich war noch nie in meinem Leben so zufrieden. Ich kann zunehmend annehmen, was ist, und akzeptieren, wenn etwas nicht nach meinem Kopf läuft. Aber natürlich nicht immer, sonst wäre ich keine Steinböckin. Diese vielzitierte Altersweisheit ist vielleicht genau das, mit Gelassenheit annehmen was ist und sich mit Selbstbewusstsein gezielt dafür einsetzen, was einem wichtig ist.

VOLL50: Was ruft die innere Stimme bei Ruhelosigkeit?

Astrid Stockinger: „Geh in den Wald!“. Ich habe mit Beginn der Covid-19-Pandemie das Wandern und ausgiebig durch den Wald spazieren für mich entdeckt, und es tut einfach unglaublich gut. Ich finde es so schön, dass in Japan „Waldbaden“ als Therapie angeboten wird. Überhaupt ist meines Erachtens die Natur unsere größte Freundin und ich bin froh, dass das zunehmend mehr Menschen entdecken.

Auf der anderen Seite regt mich diese Sorglosigkeit, mit der Umwelt und Tiere ausgebeutet werden, extrem auf. Dass muss sich rasch ändern. Zum Glück erkennen das auch immer mehr Menschen. Ich danke den jungen und älteren Menschen, die Freitag für Freitag auf die Straßen gehen. Ich selbst setze mich seit 2014 politische für den Umweltschutz ein. Weil es für mich irgendwann nicht mehr gepasst hat, mit Entsetzen die Schlagzeilen zu lesen und sich über die Gier der Konzerne aufzuregen, aber nichts konkret dagegen zu tun.

VOLL50: Welches Muster hat das voll50-Meisterwerk?

Astrid Stockinger: Bunt, vielseitig und doch wunderschön harmonisch. So wie meine verschiedenen Berufe, Interessen und Tätigkeiten mittlerweile zu einem großen Ganzen verwoben sind. Ich merke, dass wirklich jede Erfahrung, die ich gemacht habe, mich in meinem jetzigen Hauptberuf – ich berate geflüchtete Menschen und Drittstaatangehörige bei der Arbeitssuche -, aber auch bei meiner politischen Arbeit von unschätzbarem Wert sind. Meine Werbeagentur ist mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt, aber ich mag es immer noch sehr, Menschen im Bereich Werbung und Marketing zu unterstützen. Ich liebe die Abwechslung und lerne immer noch gerne Neues. Diese Neugierde ist ein wunderbarer Motor und macht das Leben unendlich reich und bunt. Ganz besonders schätze ich die wundervollen Menschen und Freundschaften, die ich in meinen Lebensjahrzehnten „gesammelt“ habe. Ohne diesen wäre das Leben nur halb so schön.

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