„Jetzt will ich’s nochmal wissen“

Zur Lebensmitte noch einmal durchstarten, nach neun Jahren Singledasein sich frisch verlieben – das passt alles in das Leben von Claudia Held. Sie möchte vergebene Chancen nie bereuen müssen.

VOLL50: Wann war der Drang zur Selbstverwirklichung nicht mehr auszuhalten?

Claudia Held: Mit 50, Halbzeit – jetzt will ich’s nochmal wissen. Die Tochter aus dem Haus, privat endlich angekommen, hatte ich schon länger den Drang, dass da noch mehr geht. Und mit der Eröffnung meiner kleinen Krimi-Fachbuchhandlung erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum, doch dieses Herzensprojekt würde es ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Familie nicht geben.

VOLL50: Woran erkennt man mit voll50 einen Menschen mit Charisma?

Claudia Held: Herzlichkeit, positive Ausstrahlung und gesunde Einstellung zum Leben. Eins sein mit sich und der Welt.

VOLL50: Wann wird aus Trauen Ver-Trauen?

Claudia Held: Der erste Schritt ist bekanntlich der schwierigste. Mit 50 den geregelten Job an den Nagel hängen und mich selbstständig zu machen, war so einer für mich, aber man muss sich TRAUEN, denn verpasste Chancen wird man am Ende immer bereuen.

Mit dem VERTRAUEN ist es fast noch schwieriger. Denn Vertrauen bedeutet Zeit. Vertrauen kann nur mit der Zeit entstehen, und da wir alle in einer sehr schnellen Zeit leben und die Ungeduld immer wieder aufkommt, heißt es durchhalten, egal ob beruflich oder privat. Doch wenn man am Ende zurückblickt, in meinem Fall auf ein Jahr Selbstständigkeit, weiß man, dass es sich lohnt, auf sich selbst zu VERTRAUEN.

Wenn Zweifel und Ungeduld versuchen die Oberhand zu gewinnen, begleiten mich immer zwei Leitsprüche: „Wenn eine Tür zu geht, geht ein Fenster auf“ und „Alles hat seine Bestimmung und wird am Ende gut“

VOLL50: Wie schafft frau mit voll50 den Übergang von der Selbstakzeptanz zur Selbstliebe?

Claudia Held: Ich bin froh, dass meine Mutti uns, meine jüngere Schwester und mich, früh in allem bestärkt hat ( Aussehen, Schule,..) und ich sehr unproblematisch durch meine Teenagerjahre gelaufen bin. Ich habe mich immer in meinem Körper, Beruf, Leben wohl gefühlt und mich immer so akzeptiert, wie ich bin. Dann mit Mitte zwanzig war ich auf einmal Single und alleinerziehend. Diese lange Zeit hat mich sicher sehr geprägt, so dass aus meiner Selbstakzeptanz Selbstliebe geworden ist. In dieser herausfordernden Zeit hatte ich, trotz allem, viel Zeit für mich (ME TIME), und ich bin überzeugt – wenn wir alle mehr auf uns selbst achten – , dass der Übergang von Selbstakzeptanz zur Selbstliebe leichter und früher sein kann. Und es wäre schön, wenn Selbstliebe nicht vom Alter abhängig wäre.

VOLL50: Muss ein Singledasein weh tun?

Claudia Held: Nein, ich war über 10 Jahre Single und ALLEIN-erziehend, aber nie EINSAM! Ein Netzwerk bestehend aus meiner Familie, alten und neuen Freunden, netten Arbeitskollegen und Vereinsfreunden hat nie Einsamkeit aufkommen lassen. Ich habe meine Freiheit/ Alleinsein/Me Time auch sehr genossen. Vor neun Jahren habe ich mich von meinem Single-Lebensabschnitt verabschiedet, weil ich meinen jetzigen Mann über Freunde kennengelernt habe. und ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen.

https://www.krimihelden.at/

„Ich kreiere mein kleines Paradies selbst“

Glück und Zufriedenheit haben viel mit dem eigenen Mindset zu tun, sagt Sabine Holzer. Trotzdem hört sie gerne und oft auf ihr Bauchgefühl.

VOLL50: Wie stellt sich frau mit voll50 das Paradies vor?

Sabine Holzer: Da fällt mir ganz spontan das Schlaraffenland ein: Milch, Honig und Wein fließen in den Flussbetten, Häuser sind aus Kuchen und Essen fliegt mundfertig durch die Luft. Genießen ist die größte Tugend, harte Arbeit wird als Sünde betrachtet und gegen das Altern gibt es einen Jungbrunnen!

Nein, Spaß beiseite! Das Paradies ist in meiner Vorstellung ein wunderschöner Ort, an dem jeder tun kann, was er|sie|es tun will, wo alles Sinn und Freude macht und jeder zufrieden und glücklich ist. Wo alle Lebewesen achtsam und wertschätzend miteinander umgehen, wo es keinen Hass, keinen Neid und keine Missgunst, sondern alles von Liebe und Vertrauen getragen wird. Wo es keine Zeit, kein Geld, keine Krankheiten, keine Religion und keine Kriege gibt.

Und nachdem das alles mehr als utopisch ist, kreiere ich mir mein kleines Paradies (soweit möglich und umsetzbar) selbst – denn Glück und Zufriedenheit haben viel mit dem eigenen Mindset zu tun.

…obwohl mit dem Jungbrunnen aus dem Schlaraffenland könnte ich mich schon anfreunden! *ironieoff*

VOLL50: Welches Lied ist für Dich Ausdruck von Hoffnung und warum?

Sabine Holzer: Das ist eindeutig „Imagine“ von John Lennon. Der Text beinhaltet eigentlich alles, was ich in der vorigen Antwort beschrieben habe:

Stell dir vor, es gäbe kein Himmelreich…
Stell dir vor, alle Menschen leben nur für das „Heute“…
Stell dir vor, es gäbe keine Länder und auch keine Religion…
Stell dir vor, alle Menschen leben ihr Leben in Frieden…

Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr…

Keinen Grund für Gier oder Hunger…
Eine Menschheit in Brüderlichkeit…

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird eins sein.

John Lennon wurde übrigens am 08.12.1980 erschossen – das war mein 14. Geburtstag…☹

VOLL50: Woran erkennt frau mit voll50, ob man sich dem richtigen oder dem falschen Anliegen hingibt?

Sabine Holzer: Darüber mache ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken. Denn egal, welchem Anliegen ich mich widme oder hingebe, passt es in diesem Moment für mich, ich höre einfach auf mein Bauchgefühl. Alles weitere zeigt sich dann…und selbst, wenn es augenscheinlich retrospektiv „falsch“ war, so ziehe ich (meistens) meine Lehren draus. In meinem Leben gab es unzählige „positive“ und auch viele „negative“ Ereignisse – für mich zählt nur, nichts zu bereuen, denn all diese Erlebnisse haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin – und ich bin glücklich und zufrieden mit mir selbst!

VOLL50: Wann sind FreundInnen falsch?

Sabine Holzer: Eine spannende Frage…hhmmm ehrlich gesagt, ich bin da trotz meiner 55 Lenze ein bisschen naiv und das ist gut so, denn ich glaube vorrangig an das Gute im Menschen. Ich investiere in Freundschaften immer sehr viel Zeit und Herzblut, weil ich möchte, dass es allen rundherum gut geht. Und eine gewisse Zeit ignoriere ich schon mal Warnsignale, die mir mein Bauch sendet. Wenn eine Freundin dann aber illoyal und unehrlich ist, es in Gesprächen immer nur um sie geht und sie sich eigentlich nicht für mein Leben interessiert oder ich erfahre, wie sie hinter meinem Rücken negativ über mich spricht – dann fange ich intensiv zu reflektieren an und schaue genau hin, wie es um die Freundschaft bestellt ist, ob es eine Balance zwischen „Geben & Nehmen“ gibt. Wenn ein klärendes Gespräch keine Besserung bringt, endet das dann meist im Abbruch der Freundschaft und meine „Tür“ geht zu und sehr selten wieder auf…

VOLL50: Welcher Tipp ist der wertvollste für eine Voll50-Frau?

Sabine Holzer: Sei du selbst, alle anderen gibt´s schon! Bleib´ dir treu, hör auf dein Bauchgefühl und lass dich in deiner Stärke nicht (aus)bremsen. Hab´ Träume und verwirkliche sie, lebe im Jetzt und im Hier, heb´ dir nichts für Morgen auf, sondern genieße alles in vollen Zügen – wir alle haben nur dieses eine Leben! Frei nach Mark Twain: Tanze, als würde niemand zusehen. Singe, als würde niemand zuhören. Liebe, als würdest du niemals verletzt. Lebe, als wäre der Himmel auf Erden!

www.office-profi.at

Bitte Lächeln!

Mein Friseur hat ja keine große Freude mit mir, weil ich meine Haarfarbe in diesem Salz-und-Pfeffer-Ton behalten möchte. Doch kürzlich ist mir aufgefallen, dass selbst die bunteste Haarfarbe nicht ausreicht für eine positive Erscheinung.

Die schriftliche Version dieses Beitrags finden Sie ab Freitag Abend auf http://freie-journalistin.at/texten/blog

„Das Projekt ICH ist noch lange nicht abgeschlossen“

Wenn man sich wie Sigrid Leutgeb-Webersdorfer dazu entschließt, so zu leben, wie man es will, tut sich einiges in der eigenen Biographie. Und herauskommen kann ein wunderbares, neues Leben.

VOLL50: Welches Projekt sollte mit voll50 an oberster Stelle stehen?

Sigrid Leutgeb-Webersdorfer: Das eigene ICH, die eigene Person. Das ist sowieso ein Projekt, dass wahrscheinlich keine Deadline hat, sondern vom ersten Tag der Geburt bis zum letzten Tag im Leben immer ein Projekt bleibt, aber halt unterschiedliche Phasen hat.

So ist man als Kind noch stark von den Eltern abhängig, als Jugendliche findet man Eltern uncool und orientiert sich an Freunde und Menschen außerhalb der Familie. Irgendwann verliebt frau sich, gründet eine Familie oder auch nicht. Die eigene Person ist da aber auch nicht so im Fokus. Die Karriere ist wichtig, somit wieder eine Orientierung außerhalb des eigenen Ichs, um vielleicht der Gesellschaft, einzelnen Personen zu entsprechen und deren Erwartungshaltung zu erfüllen. Ich habe mit etwa 48 Jahren begonnen, mich auf mich zu konzentrieren, ohne egoistisch zu sein, aber mir wurden einfach mein Ich, meine Empfindungen, meine Gedanken, meine Gefühle, mein Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben wichtiger, trennte mich von Menschen, die mir nicht gut taten, begann Hobbies, wie beispielsweise das Klettern, das ich davor nicht tat, da mein Ex-Mann dies nicht wollte. Ich begann mein Leben auf meine Bedürfnisse auszurichten und merkte, dass es mir so richtig gut ging.

Ich begann zu LEBEN, so wie ich es wollte, und das hat sich auch mit 53 Jahren nicht geändert. Ich bin nun wieder verheiratet, bin relaxt und gestalte mein wunderbares Leben bewusst so, dass meine Bedürfnisse, mein Ich nicht zu kurz kommen. Ich habe vor zwei Jahren meinen verdammt gut bezahlten Job aufgegeben, weil ich nicht mehr fremdbestimmt sein wollte. Ich wollte Frau meiner Zeit sein und bin in die Beratung gegangen, arbeite jetzt wahrscheinlich mehr als zuvor und verdiene viel weniger, kann mir meine Zeit einteilen und bin drei bis vier Monate im Jahr auf Urlaub. Was noch kommen wird, weiß ich nicht. Ich weiß jedoch, dass ich auf meine Bedürfnisse höre, mein Leben in die Hand nehme und das mache, was Spaß macht.

Also, um auf die Frage zu Beginn noch mal zurückzukommen – ja, ICH stehe im Mittelpunkt, und das Projekt ICH ist noch lange nicht abgeschlossen. Und das ist gut so!

VOLL50: Welche Einrichtungsgegenstände sollte das innere Zuhause unbedingt haben?

  • Selbst-Vertrauen und Selbst-Bewusstsein, um das Projekt ICH am Ende gut abschließen zu können und keine Wehmut der Versäumnis zu verspüren
  • Freiheit, verbunden mit Neugierde und Offenheit, um für Veränderungen immer offen zu sein und die unterschiedlichen Wege, die frau im Leben beschreiten kann, nicht zu übersehen.
  • Empathie, Liebe und Anteilnahme, um auch das Geben nicht zu vernachlässigen
  • Ungeduld, um im Leben nicht still zu stehen
  • Zufriedenheit, um das genießen zu können, was ist
  • Glück wahrscheinlich auch, wobei mir die Zufriedenheit wichtiger ist
  • Krisen, um sich weiterzuentwickeln und zu lernen
  • Raus aus der Komfortzone, um die Herausforderungen des Lebens proaktiv anzunehmen und zu gestalten

Ich denke, das innere Zuhause ist schon gut eingerichtet, und die noch freien Räume sind dazu gedacht, für Ungeplantes noch Space zu haben. Ich möchte nicht alles verstellen ….. 😉

VOLL50: Wann kann Frau mit voll50 stolpern, auch wenn sie einen Schritt nach dem anderen macht?

Sigrid Leutgeb-Webersdorfer: Das ist eine sehr gute Frage. Ich würde es aber nicht stolpern nennen, sondern Weiterentwickeln oder Lernen. Also sinngemäß – hinfallen – Krone richten – aufstehen – weitergehen und beim nächsten Stolpern – das Gleiche …., aber nie stehen bleiben!!!

VOLL50: Ist Geduld eine Qualität oder eine Qual?

Sigrid Leutgeb-Webersdorfer: Weder – noch oder beides! Ich persönlich empfinde Geduld dann als Qualität, wenn dies mit Gelassenheit und Zufriedenheit zu tun hat, also wenn ich so richtig in meiner Mitte bin und selbst entscheide, was ich will und was mir gut tut. Für mich wird Geduld haben MÜSSEN zur Qual, wenn ich nicht will, aber muss, also mir dies von außen diktiert wird. Da kann es gut sein, dass ich ausbreche und dann selbst entscheide, ob ich geduldig sein will oder ungeduldig. Das heißt, für mich ist der entscheidende Punkt, kann ICH Geduldigsein selbst zu entscheiden oder nicht.

VOLL50: Was ist mit voll50 die wichtigste Facette von Selbstachtung?

Sigrid Leutgeb-Webersdorfer: Eine wunderschöne Frage, mit der ich mich sehr gerne auseinandersetzen mag. Die wichtigste Facette von Selbstachtung ist für mich, sich selbst anzunehmen – mit allem, was mich ausmacht, mit allen Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen, und dass ich mir selbst und anderen Liebe schenken und Empathie entgegenbringen kann.

Eine weitere Facette von Selbstachtung ist für mich, das eigene Verhalten an der eigenen Werteorientierung ausrichten zu können und meine Werte nicht zu verleugnen, nur um es anderen recht zu machen. Übrigens – für mich ein echter Luxus mit voll50. Und somit schließt sich der Kreis zur ersten Frage wieder! Frei nach dem Motto: Das Leben ist – so wie es ist – schön, von einfach war nie die Rede 😊

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung