Who cares?

Ich hatte mir viel vorgestellt, meine Phantasie wieder eingefangen und beschlossen, offen zu sein. Dass ich dann diejenige sein würde, die sich zurückhält, war ein Aha-Erlebnis.

Hippiemädchen, Rockerbraut und Rebellin

Wenn wir etwas mit voll50 wissen, dann das: Wir sind viele…Rollen. Susanne Erhardt spricht darüber, aber auch über die positive Rolle des Dramas im Leben und disziplinierte Eigenverantwortung.

VOLL50: Wie kann mit „voll50“ ein kreativer Umgang mit dem Leben aussehen?

Susanne Erhart: Ich denke, es ist hilfreich, wenn man sich über eines im Klaren ist: Nix – aber schon gar nix – is fix. Sich immer wieder überraschen lassen – durchaus auch von sich selber. Offen sein für das, was kommt. Im Heute leben und nix aufschieben. Gespannt & spannend bleiben. Mein Bestes geben und drauf vertrauen, dass es dann schon alles gut sein wird, so, wie es kommt. Oder, wenn es nicht so gut kommt, darauf vertrauen, dass man dann damit umgehen können wird. Sich belohnen, wo immer es geht (extrem wichtig!). Das Alter – diese ominöse, absolut nichtssagende Zahl – nicht als Maßstab und schon gar nicht als Ausrede sehen. Und ganz wichtig: In sich rein fühlen, welcher innere Anteil gerade gehört werden möchte. Und hey, da stecken ja dermaßen viele Facetten in uns großartigen Ü50erinnen: das Mädchen, die junge Frau, die erwachsene (schon fast weise) Frau. Ich persönlich hab dann noch ein Hippiemädchen, eine Unternehmerin, ein Cowgirl, eine Rockerbraut und eine Rebellin in mir drin – aber das ist eine andere Geschichte. Das ist meine Art kreativer Umgang mit dem Leben. Für mich klappt das ganz gut.

VOLL50: Wie gehen Liebe und Freiheit zusammen?

Susanne Erhart: Auch wenn´s manchmal so aussieht, als würden Nähe und Freiheit sich spießen – in einer perfekten Welt gehen die beiden nie ohne einander! Aber welche Welt ist schon immer perfekt. Das Nähe-Enge-Thema wird jedenfalls intensiver. Dem anderen seine Freiheit lassen – aber nicht auf Kosten der eigenen – das ist schon eine hohe Kunst. Irgendwie ist es – je nach Tagesverfassung – ein ständiger Spagat zwischen Nähe und Unabhängigkeit. Zwischen dem Bedürfnis nach Freiheit und dem Wunsch nach dem Zusammen-Altwerden. Dem Bedürfnis nach totaler Verschmelzung und dem nach dem Ausleben von individuellen Interessen. Mal klappt das besser, mal schlechter. Das ist schon okay so.

VOLL50: Wann hört mit „voll50“ die Lust aufs Drama auf?

Susanne Erhart: Mein erster Impuls beim Lesen der Frage? Na hoffentlich nie! Drama Baby!! Weil: Drama kann ja auch durchaus spannend sein– es gibt dem Leben Würze. Aber – und das war der zweite Impuls – ich würde mir die Dramen vielleicht nicht mehr gar so dramatisch wünschen. Wenn´s leicht geht … bitte. Wobei: Die meisten vermeintlich großen Dramen meines Lebens haben sich im Rückblick als unglaubliches Glück und auch als richtungsweisend erwiesen. Auch wenn das erst mal absolut nicht den Anschein hatte. Das Geheimnis ist, den Zeitraum der Rückschau – dem Drama angemessen – lang genug zu wählen. Manchmal braucht es halt auch durchaus ein paar Jahre, bis sich einem der Sinn erschließt. Aber dieses Wissen allein ist schon recht tröstlich, wie ich finde.

VOLL50: Braucht frau für Eigenverantwortlichkeit Disziplin? Und warum (nicht)?

Susanne Erhart: Eines meiner Lieblingsthemen! Ja, es braucht Disziplin. Und zwar jede Menge. Aber sie darf nicht dazu missbraucht werden, ständig über ungesunde Grenzen zu gehen und sich auszubeuten, sondern vielmehr dazu, im Gegenzug wieder herrliche Freiräume zu erschaffen.

Aber auch in anderer Hinsicht beschäftigt mich das Thema Disziplin gerade. Es hat mit der Disziplin meiner Gedanken zu tun. Ich habe mir angewöhnt, immer mehr zu hinterfragen, welche meiner Gedanken förderlich und gut sind. Für mich, aber auch für andere. Das erfordert richtig viel Disziplin – und Ehrlichkeit! Wir denken ja gerne immer wieder mal Dinge, die uns oder auch anderen um uns herum nicht gerecht werden, nicht gut tun, und die uns auch absolut nicht weiter bringen. Auch diese Gedanken-Disziplin gehört für mich zur Eigenverantwortlichkeit. Ich bin darin noch lange nicht perfekt, aber allein die Auseinandersetzung mit diesem Thema verändert meinen Blick auf die Dinge. Macht ihn und somit mich gelassener und mein Urteil milder. Und das schadet keineswegs.

VOLL50: Welches Spiel sollte frau mit „voll50“ auf jeden Fall beherrschen?

Susanne Erhart: Wie war das? „Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen“.(Oliver Wendell Holmes) Das sagt eigentlich schon alles. Und das kommt mir sehr entgegen, weil das Spielerische aus meinem Leben nicht wegzudenken ist. Es gibt meinem Alltag die erforderliche Leichtigkeit, hilft, die Dinge von ganz vielen Seiten zu betrachten und bringt mich auf manch kreative, durchaus auch unkonventionelle Lösungsidee. Welches Spiel konkret? Das bleibt dann jeder von uns selbst überlassen. Nur aufhören sollte man damit nie.

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„Nicht abhängig zu machen von Meinungen anderer“

Wer sich frei von Prägungen macht, wird mit einer Kaskade von neuen Möglichkeiten belohnt, sagt Marion Falzeder. Ihr jüngstes Abenteuer: das Enkerl.

VOLL50: Wann führt Disziplin automatisch zu Konzentration?

Marion Falzeder: Hm, jetzt sollte ich wohl antworten, dass ich mit 50 natürlich immer diszipliniert bin und über die Jahre gelernt habe, dass Disziplin in manchen Bereichen hilfreich ist. Aber leider bin ich nach 53 Lebensjahren manchmal immer noch bequem, unordentlich oder zu faul, zum Beispiel diszipliniert meinen Kleiderschrank in Ordnung zu halten. Wie das andere schaffen, weiß ich nicht, aber sobald ich ein T-Shirt rausziehe, sind sämtliche andere krumm und schief. Bei meiner Mutter ist immer alles perfekt wie mit dem Lineal gezogen, aber bei mir funktioniert das nicht. Erst wenn ich wirklich etwas fertigbringen muss, ein Termin ansteht oder ein Vortrag zum Abgeben ist, dann werde ich diszipliniert und hochkonzentriert. Ein gewisser Druck muss bei mir vorhanden sein, dann klappt es auch mit beiden 😉. Wie oft ich mir das in meinem Leben schon vorgenommen habe, früher anzufangen, damit ich keinen Stress zum Schluss habe – ich bin in dieser Sache lernresistent. Auch aus der Schulzeit kenne ich das noch sehr gut, am Tag vor der Schularbeit, war ich am konzentriertesten und sehr diszipliniert. Während der Studienzeit war meine Wohnung nie sauberer als vor einer Prüfung … das war mir der Haushalt sogar lieber, als zu lernen. Wenn ich viel zu tun habe und alles fertig werden muss, dann ist meine innere Uhr automatisch auf Frühaufstehen programmiert, und ich bin täglich um spätestens 5.00 Uhr munter. Ich bin ein Morgenmensch und um diese Zeit geht es dann auch am besten mit der Konzentration. Aber wie gesagt, ein bisserl Druck ist nötig.

VOLL50: Wovon sollte frau mit „voll50“ auf keinen Fall abhängig sein?

Marion Falzeder: Für mich war immer klar: Ich möchte nie von einem Mann abhängig sein und mein eigenes Geld verdienen. Viele Jahre am AMS und dann später in der Abteilung für Frauenförderung an der JKU haben das verstärkt. In einer Beziehung ausharren zu müssen, weil es sich finanziell nicht ausgeht, sich zu trennen, möchte ich mir als freiheitsliebenden Menschen nicht vorstellen. Ich hatte das Glück, dass mein Mann meine Lebenspläne immer mitgetragen hat und mich selbstverständlich in der Verwirklichung meiner Wünsche unterstützt hat. Ich habe neben den Kindern zu studieren begonnen, meinen Beamtenjob zu Gunsten einer Veränderung an der Universität Linz aufgegeben und dann nochmals den Sprung in das Ungewisse gewagt, um nur mehr meine Schwimmschule zu managen. Danach folgten noch Ausbildungen in Cranio-Sakraler-Körperarbeit und einer speziellen – auch körperorientierten – Methode zur Bewältigung von Traumata (Somatic Experiencing). Lange war ich in dem Korsett meiner Erziehung verhaftet, dass man einen Beamtenjob nicht aufgeben kann, und ich traute mich nicht, nur daran zu denken, dass mich diese Arbeit nicht mehr glücklich macht. Als ich es endlich gewagt habe, dort zu kündigen, war es eine so große Befreiung, die eine Kaskade an neuen Möglichkeiten losgetreten hat. Ich möchte allen Mut machen, sich nicht abhängig zu machen von Meinungen anderer, von Wertvorstellungen der Familie, sondern auf sein Herz und Bauchgefühl zu hören, was einem gut tut.

Die beiden Ausbildungen zur Körperarbeit haben mir viel geholfen, besser wahrnehmen zu können, wo meine Grenzen sind und was ich verändern muss, um mich wohler zu fühlen. Wenn sich Gelegenheiten bieten im Leben, wo es einen richtig hin sehnt, wo das Herz aufgeht und das Baucherl warm wird, wenn man daran denkt, dann ist es wert, dort näher hinzusehen. Meine Gelegenheitsfenster haben sich weit geöffnet, immer wieder, bis ich mutig genug war, sie wahrzunehmen, und ich bin heute sehr froh darüber, dass ich mich von den Idealen meiner Eltern frei machen konnte.

Ich bin glücklich, meine Talente in den Schwimmkursen mit Babys und Kindern einbringen zu dürfen. Meine Ausbildungen helfen mir, unterstützend in der Bewältigung von Wasserangst zu sein oder Babys einen bessern Start ins Leben zu ermöglichen, wenn Schwangerschaft und Geburt ein traumatisches Erlebnis waren. Das ist sehr erfüllend für mich. Ich kann mir meine Zeit nahezu frei einteilen und bin auch hier weniger abhängig von strikten Zeitkorsetten, was meinem persönlichen Zeitmanagement gut tut. Mit voll50 merke ich nämlich immer mehr, dass ich nicht mehr so schnell bin wie früher, aber auch nicht mehr so schnell sein mag wie früher.

VOLL50: Wofür gibt es Langeweile?

Marion Falzeder: Was ist Langeweile? Schon als Kind war ich eine Leseratte und rundum glücklich, wenn ich in einer Ecke sitzen konnte, um zu lesen. Auch heute ist mein Alltag so ausgefüllt, dass ich Langeweile nicht kenne. Im Gegenteil, ich muss mir Zeitinseln schaffen, damit ich mir auch eine „lange Weile“ an Nichtstun gönne. Diese Zeit brauche ich, um mein Inneres hören zu können. Im Alltag überhöre ich da viel und nehme mir nicht die Zeit, richtig hinzuspüren. Der Körper braucht aber diese Muße-Minuten, um erzählen zu können, was ihn bewegt. Er muss seine Geschichte erzählen dürfen, damit er Stress loswerden kann oder sich negative Erlebnisse auflösen dürfen. Alles, was uns zu schnell, zu intensiv oder zu heftig passiert, wird mit dem Verstand kaum verarbeitet, aber im Körpergedächtnis abgespeichert. Wenn das nicht beachtet wird, können sich verschiedene Symptome entwickeln, körperliche und psychische Probleme können die Folge sein. In der Cranio-Sakralen Körperarbeit und im Somatic Experiencing lehren wir die Menschen, wie wichtig es ist, hinzuhören in den Körper, seinen Geschichten zu lauschen, seiner Ausdrucksmöglichkeit Raum zu geben. Wenn einem langweilig ist, wäre das eine gute Möglichkeit, sich dafür Zeit zu nehmen, um sich was Gutes zu tun. Man glaubt gar nicht, was einem da alles erzählt wird 😉.

VOLL50: Welches Buch sollte man mit „voll50“ unbedingt gelesen haben?

Marion Falzeder: Als Vielleserin gibt es für mich unzählige Bücher, die es wert sind, gelesen zu werden. Es ist aber sehr subjektiv, was gefällt und was nicht. Während ich Krimis liebe (sie dürfen ruhig auch etwas blutrünstig sein 😉), mag das meine Freundin gar nicht. Unbedingt lesenswert ist auf jeden Fall Peter Levines „Sprache ohne Worte“, das mir viele AHA-Erlebnisse und wertvolle Erkenntnisse während meiner Trauma-Ausbildung beschert hat. Sehr inspirierend empfand ich „Briefträgerkind“ von Oskar Kern. Als Manager hat er in diesem Buch seine Lebensweisheiten sehr unterhaltsam zusammengefasst, die er von seinen Eltern gelernt hat. Diese waren Landbriefträger in einer kleinen Gemeinde im Mühlviertel, und deren Erlebnisse haben mich sehr daran erinnert, was auch ich von meinen Großeltern lernen durfte. Ein sehr kurzweilig geschriebenes aber lehrreiches Buch, durch die kurzen Kapitel eine perfekte Bettlektüre.

VOLL50: Wie lange ist dein letztes Abenteuer her?

Marion Falzeder: Mein Mann und ich sind sehr gerne unterwegs, seit einem halben Jahr mit einem alten Wohnmobil. Da wird jede Reise ein kleines Abenteuer, denn irgendwas ist immer, wenn man abseits vom Trubel unterwegs ist. Ein richtig „großes“ Abenteuer haben wir mit den Kindern erlebt, die heute noch davon reden, obwohl es circa zwölf Jahre her ist. Statt Campingurlaub haben wir uns einmal einen All-inklusive-Club in Hurghada (Ägypten) geleistet. Unsere Jungs wollten aber unbedingt die Pyramiden sehen, daher buchten wir eine Fahrt dorthin. Wir wurden um 22.00 Uhr in einem alten klapprigen Bus mit vielen anderen eingesammelt, die ganze Nacht bis nach Kairo gefahren, dort noch in diverse Verkaufsgeschäfte geschleppt, bis wir endlich bei den Pyramiden ankamen. Retour war es wieder ähnlich 😉. Kommen wir jemals an? Hält der Bus das aus? Wird es irgendwo mal eine Toilette geben? Aber wir haben es überstanden, und für die Kinder war es ein richtiges Abenteuer. Die Pyramiden natürlich beeindruckend, wenngleich sie mittlerweile quasi mitten in der Stadt sind und die Verkäufer von Ramsch unglaublich lästig dort sind.

Für mich ganz speziell war die Fahrt vor circa 20 Jahren durch Albanien. Eine Zeitreise zurück in meine Kindheit mit schlechten Straßen, ganzen Familien samt Baby auf dem Moped fahrend und keine Kreditkartenmöglichkeiten. Sehr aufregend, spannend und interessant, da quasi noch kein Tourismus dort war und alles sehr ursprünglich ausgesehen hat! Das neueste Abenteuer, das am 4. Juni gestartet hat, ist die Zukunft als Oma. Durch meine Schwimmschule bin ich die Arbeit mit Kindern gewöhnt, und ich habe auch sehr viel Kontakt zu FreundInnen mit kleinen Kindern. Trotzdem ist das wieder ein neuer Schritt, der aufregend und berührend zugleich ist. Ich freue mich sehr auf diese Zeit und hoffe, eine Oma zu werden, zu der meine Enkelkinder gerne kommen werden.

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„ Als liebender und reflektierter Mensch wirklich sehr gut gelungen“

©Michael Hartl – design foto film

Lebensprüfungen sind für Claudia Kanz ein Auftrag zur eigenen Weiterentwicklung. Und sie tragen dazu bei, neue Wege zu finden und sich selbst zu lieben.

VOLL50: Welchen Stellenwert haben Prüfungen mit voll50?

Claudia Kanz: Prüfungen gibt es ein ganzes Leben lang. Du lernst ja auch ein Leben lang. Das macht es für mich aber auch interessant. Manche Prüfungen suchst du dir aktiv aus, weil du etwas Neues lernen und beweisen willst, dass du es kannst. Und andere Prüfungen stellen sich dir direkt im Leben breitbeinig in den Weg. High noon!

Wir alle sind Beziehungsmenschen, und wenn es gerade auf dieser Ebene knatscht, ist es immer auch eine Prüfung, finde ich. Man lernt viel über sich selbst in der Krise und genauso im Konflikt, und ich sehe Schwierigkeiten, oder das Erlernen neuer Inhalte, Fähigkeiten, Verhaltensweisen immer auch als Lernprozess für mich selbst. Ich schaue mir selbst zu und bewerte und passe meine Strategie an. Manche nennen das reflektiert sein. Aber es ist mehr als das. Für mich bedeutet es, sich selbst auch immer wieder ein anderes Verhalten zu erlauben. Denn das alte Verhalten in die Zukunft zu kopieren, funktioniert nicht wirklich. Wir bleiben ja auch nicht ganz dieselben, wenn wir uns mit den Jahren weiterentwickeln.

Ich mag keinen Stillstand und glaube daran, dass wir uns bis zum Ende – sprich Tod – entfalten dürfen. Müssen wir ja auch, weil sich unser Lebensumfeld auch ständig verändert. Wir sind, nur weil wir 50+ sind, nicht mit allem fertig und können uns zurücklehnen. Da passiert noch viel. Hoffe ich. Anders, aber trotzdem gut. Vielleicht sind manche von uns nicht mehr so schnell bereit, etwas Neues zu lernen, aber für mich sind solche Lebensprüfungen – wie Beziehungen, Trennungen, berufliche Herausforderungen, Umzüge oder die Erderwärmung, der Rechtsruck oder einfach das Loslassen von alten persönlichen Glaubenssätzen – ein guter Spiegel und auch immer Auftrag für meine eigene Weiterentwicklung.

VOLL50: Worauf bist du nicht mehr neugierig?

Claudia Kanz: Ich bin von Natur aus sehr neugierig und spontan. Wenn etwas Neues meinen Weg kreuzt, will ich es auch ausprobieren und so verstehen lernen. Aber es gibt schon ein paar Situationen, die aufgrund meines feministischen Mindsets für mich absolut keinerlei Charme haben. Ich bin echt nicht neugierig auf aggressive Machtkämpfer ohne echtes Standing – das Maskulinum ist hier ganz bewusst gewählt. Meine Geduld mit Mansplainern (*) und den in den sprichwörtlichen 60er Jahren feststeckenden Chauvis ist nicht vorhanden. Ich werde nie den Moment vergessen, als ein Mann mich vor versammelter Mannschaft bedroht und angeschrien hat, jetzt sofort den Mund zu halten und mir zu überlegen, was ich jetzt sage, sonst… Und ich habe ihm lächelnd geantwortet, ich sei bereits zu alt und abgebrüht, dass mir schreiende Männer imponieren würden. Im Gegenteil, denn das sei viel zu flach und er solle die Tür ganz leise hinter sich schließen, wenn er jetzt geht. Und er ging. Ich finde so ein sexistisches Verhalten macht Männer nicht gerade attraktiver, oder was sagt ihr? Sagt denen das keiner?

Es gibt eine ganze Liste an kleineren Dingen/Tätigkeiten, die ich heute nicht mehr brauche. Ich bin nicht mehr neugierig darauf, mich so zu verhalten, wie es Andere von mir erwarten. Mir reichen meine eigenen Erwartungen an mich selbst, die ich auch nicht immer erfülle, und ich bin mir sehr oft eine härtere Gegnerin als jeder andere Mensch. Ich bin nicht mehr neugierig auf lange Nächte in Bars. Ich gehe einfach unterm Radar vor Mitternacht nachhause, weil ich einfach weiß, dass nichts Außergewöhnliches mehr passieren wird. Ich bin nicht neugierig auf veraltete Moralvorstellungen oder Tabus, die schon lange keine mehr sind oder sein sollten. Ich bin nicht mehr neugierig darauf, jede Mode mitzumachen. Ich weiß heute ganz genau, was mir steht. Ich habe bewusst keinen Fernseher und kein Auto mehr und beides geht mir nicht ab. Ich gebe FreundInnen kein Lipservice mehr (=genau das sagen, was der andere gerne hören will). Wenn ich um eine Meinung geben werde, sage ich, was ich mir dazu denke, auch wenn es weh tun kann. Ich erwarte mir von meinen Menschen das Gleiche, weil es mich weiterbringt als nette Worte.

Aber ich bin neugierig, ob diese zugegeben sehr rudimentäre Liste in den nächsten Jahren noch viel länger wird, oder ob ich etwas davon – aus mir heute noch undenkbaren Gründen – wieder ganz anders sehe. Nichts bleibt ewig gleich, das ist die einzige Konstante. 😉

VOLL50: Welche Entscheidung sollte man mit voll50 immer wieder treffen?

Claudia Kanz: Da schreit mein Herz sofort: Für die Liebe! Aber mit meinen 51 Jahren geht es nicht mehr nur um die körperliche oder romantische Liebe. Es geht um jede Art von Liebe. Um Freundschaft, Familie, Liebschaften, Leidenschaft, aber besonders um die Liebe zu sich selbst.

Die Selbstliebe, warum ist sie mir so wichtig? Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass dieses Jahrzehnt zwischen 50 und 60 das freieste im Leben einer Frau ist. Ich empfinde mich immer noch als schön und begehrenswert, auch wenn ich keine fruchtbare Frau mehr bin. Jetzt ist die Zeit, in der ich alles sein kann, alles ausprobieren kann, denn nichts und niemand hält mich davon ab, ganz ich selbst zu sein. So empfinde ich das gerade. Die Kinder sind erwachsen und in meinem Fall ist der Ehemann bereits Geschichte. Ich bin nach über 20 Jahren wieder Single. Ja, so ein kompletter Neuanfang ist kein Zuckerschlecken. Weder emotional noch wirtschaftlich, aber ich würde die Entscheidung immer wieder treffen. Weil es eine Entscheidung für mich war. Alle Beziehungen haben ihre Zeit und ihren Sinn, aber man sollte sich nicht scheuen, sie zu beenden, wenn sie einen nicht mehr glücklich machen.

Ich gestalte mein Leben als Singlefrau jetzt gerade wieder ganz neu und dieses Mal wirklich ganz alleine. Ich lebte das letzte Jahr in einer 2 Frauen, 3 Kinder WG nach der Trennung vom Mann. Ich konnte mir aus meiner Persönlichkeitsstruktur heraus gar nicht vorstellen, alleine zu leben. Jetzt ist es anders. Ich bin bereit, wieder einen nächsten Schritt zu tun und suche gerade eine 3-Zimmer-Wohnung für meine Tochter (lebt an ungeraden Monaten bei mir) und mich. Diese Freiheit und Unabhängigkeit sehne ich schon sehr herbei und nenne das jetzt schon meine kompromissfreie Zone. Ich allein bin die Macherin meiner Zukunft. Endlich fokussierst du dich wieder viel mehr auf dich selbst. Du machst nicht mehr alles aus falsch verstandener Zuwendung mit und du hast gelernt „Nein!“ zu sagen, ohne die Angst, dann nicht mehr geliebt zu werden. Ich kann mit Fug und Recht behaupten ich liebe mich, wie ich bin. Mit allen Ecken und Kanten, Falten und Hügeln, Spinnereien und Spleens, Stärken und Schwächen. Selbstliebe heißt für mich, nicht mehr in ein Schema reinpassen zu müssen/wollen. Das ist für mich gel(i)ebte Freiheit.

VOLL50: Wo hört sich Zweisamkeit um jeden Preis auf?

Claudia Kanz: An der Toilettentür! :))) Um die seriösere Kurve zu kriegen, schließe ich hier aber lieber gleich direkt an mein Plädoyer für die Selbstliebe an. Ich würde es heute nicht mehr aushalten, wenn ein Partner mir seine ungelösten persönlichen Kamellen umhängt oder sogar von mir fordert, mich so zu verhalten, dass er, ohne sie zu bearbeiten, fein mit ihnen leben oder sie ignorieren kann. Ich muss mich um meine Interieurs ja auch selbst kümmern. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie belastend so ein bedürftiges Verhalten in Beziehungen ist. Ich bin bezüglich Übergriffe heute viel sensibler. Das heißt nicht, dass ich meinen Partner nicht unterstütze. Im Gegenteil. Das tue ich gern, solange er dabei Verantwortung für sich selbst übernimmt. Ja, und das gibt auch Diskussionen.

Ich möchte euch aber nicht nur erzählen, wo es für mich aufhört, sondern auch ein konkretes Bild malen, wo es für mich anfängt. Träumen kann man ja, oder? Und ich träume immer lieber vom Anfang als vom Ende. Ich habe im Netz eine kleine Allegorie zur reifen Liebe gefunden und sie für mich in meiner Tonart erweitert und transponiert:

Es ist ein schöner, warmer Sommertag. Auf einer grünen, saftigen Wiese steht auf einer sanften Anhöhe ein dichter Lindenbaum. Es summt, Grillen zirpen und Vögel zwitschern. Der Duft von Heu und Sommer durchdringt die Luft. Sie ist warm und nur eine leichte Brise ist zu spüren. (Fühlt ihr es?) Oben in der Baumkrone sitzen zwei Vögelchen und zwitschern und schnäbeln aufgeregt und liebevoll miteinander. Über ihnen ist der blaue weite Sommerhimmel. Beide wissen, sie könnten jederzeit wegfliegen, aber sie tun es nicht, weil es genau hier, genau jetzt miteinander so wunderbar ist!

OMG! Vielleicht bin ich doch romantischer veranlagt als ich dachte. Muss wohl wieder einen meiner Glaubenssätze abändern. 😉

VOLL50: Wofür sollte man sich mit voll50 unbedingt und häufig loben?

Claudia Kanz: Für die tausend Sachen, die man kann, macht, erlernt, verstanden und bewältigt hat. Man sollte sich für die eigenen Fähigkeiten unbedingt loben, denn wir Frauen sind schon immer gerne unsere größten Kritikerinnen gewesen. Dass wir uns oft nicht trauen, uns selbst großartig zu finden, schwächt uns in dieser von Männern dominierten Welt enorm. Und da tut es gut, sich morgens schon mal zu sagen, dass man als liebender und reflektierter Mensch wirklich sehr gut gelungen ist.

Ich habe aber auch eine sehr persönliche Zäsur erlebt, für deren gute Verarbeitung ich mich viel mehr loben sollte. Mir war nicht von Anfang an klar, dass meine Gehirnblutung 2016 das einschneidendste Erlebnis meines bisherigen Lebens sein würde und gleichzeitig das bisher am besten verarbeitete. Manchmal muss ich mich daran erinnern, wie ich mich von fünf Tagen im Koma und rechtsseitiger Lähmung binnen weniger Wochen wieder erholte. Meine Gehirnleistung war dank meinem Ehrgeiz beim Training nach kurzer Zeit in der Reha schon wieder fast normal. Ich verstand aber zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, wie außergewöhnlich das war. Ich hatte damit zu kämpfen, dass ich zwar sehr schnell wieder zu 95 Prozent hergestellt war, aber extrem darunter litt, dass danach nicht mehr viel weiterging und mir die fehlenden 5 Prozent an Spritzigkeit sehr abgingen. Für mich war es wie ein Identitätsverlust. Ich war immer schnell beim Denken gewesen, und jetzt war es an manchen Tagen gefühlt nur Schneckentempo. Ich erinnere mich noch genau an den Moment vorm Spiegel im Bad, der mit einer Blitz-Erkenntnis meine Identitätskrise beendete. Ich verstand plötzlich, dass mein Gehirn wirklich ein Wunderding ist und ich die beschädigten Bereiche ganz schnell mittels akribischen Trainings durch neue Synapsen ersetzt hatte. Und da sagte ich ganz laut zu mir: Claudia, denk es einfach neu! Ein Satz kam in meine Gedanken: Deine 95 Prozent sind ab heute einfach deine neuen 100 Prozent. Realistischer Nachsatz: Die paar Prozent hätte ich vermutlich aufgrund meines Alters sowieso bald eingebüßt.

Danach war alles anders. Keine Nabelschau mehr. Nur mehr die 100 Prozent im Kopf und die 5 Prozent waren für mich nie mehr wichtig.

Wann immer ich einen Moment brauche, um mir klar zu machen, dass man alles schaffen kann und sogar einfach dadurch verändern kann, indem man seine eingeübte Denkrichtung einfach ändert, lobe ich mich für diese Eingebung an diesem Junitag vor dem Spiegel. Dass ich mich aktiv aus einer eingefahrenen Denke holen kann, macht mich sehr stolz.

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(*) mansplaining, erklärt von Claudia Kanz

„Kommt von man + explains = mansplaining

Ein sehr gängiger Begriff in meiner sehr emanzipierten Frauenblase 🙂 Ich krieg so einen Hals )(, wenn einer mir unbedingt in seinen Worten auch noch erklären muss, was ich eh gerade gesagt habe. Oder wenn mir ein Mann erklärt, wie man am besten menstruiert. :/ Mansplainer lassen echt nix aus. Und wenn sie das nicht tun können, dann fallen sie dir ins Wort. Das heißt dann manterrupting. Es ist schwer dafür deutsche Worte zu finden. Erklärknabe? UnterbrechEr?“

Lebenslust vorleben

Zwei Informationen haben mich kürzlich aufhorchen lassen: Ein Viertel der Jugendlichen können nach der 9. Schulstufe nicht sinnerfassen lesen. Und Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Ein Zusammenhang?

Wandel in der Wildnis

Vor zwei Jahren bin ich an einer Schwelle gestanden, an der ich überlegt habe, ob ich meine wöchentlichen Ergüsse einstellen soll. Ich spürte, dass sich etwas in mir und meinem Leben änderte, ohne festmachen zu können, in welche Richtung es gehen könnte. In dieser Woche wurde ich mit den ersten Auswirkungen konfrontiert.

Schwäche zeigen ist stark

Foto (c) Michael Hartl

Man kann vieles wollen und trotzdem nicht zum Ziel kommen, sagt Michaela Ziegler. Sie wünscht sich eine Gesellschaft, in der Lebensleistungen mindestens den gleichen Stellenwert bekommen wie Arbeitsleistungen.

VOLL50: Wann bist Du in Deinem Element?

Michaela Ziegler: Wahrscheinlich war ich in einem früheren Leben eine Nixe oder wohl eher eine Seekuh. Ich liebe es im Wasser zu sein, am liebsten im Meerwasser. Wenn es wohltemperiert ist, könnte ich Stunden darin verbringen.

Wenn ich in einer Runde mit feinen Mensch bin – egal, ob es sich um eine private Runde oder eine Seminarrunde handelt, in der ich mich wohlfühle. Ich liebe es, über Gott und Göttin zu philosophieren, zu diskutieren, zu blödeln und lachen und zu lernen. Gerade wenn es um Schreiben, Sprache und Wortwitz geht, fühle ich mich in meinem Element.

VOLL50: Womit macht man sich mit voll50 nicht mehr nass?

Michaela Ziegler: Mein erster, zugegeben flapsiger Gedanke beim Lesen dieser Frage war ‚mit Abwaschwasser‘. Doch damit werden meine Hände trotz Geschirrspüler noch öfters in Kontakt kommen.

Ich mag mich nicht mehr nass machen wollen mit Funktionieren im Sinne von mich selbst ausbeuten. Mittlerweile nach vielen Lehrjahren habe ich es geschafft, mich auch mit meinen Schwächen zu zeigen und darüber reden zu können. Ich habe es (meistens) abgehakt, allen beweisen zu wollen, dass ich alles allein schaffen kann. Weil es nicht stimmt. Darum bin ich sehr kritisch, wenn ich höre, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will.

Das Leben spielt sich irgendwo zwischen Selbstwirksamkeit und Abhängigkeiten ab. Wir Menschen sind im Grunde soziale Wesen, brauchen einander von der Wiege bis zum Tod. Eine Ziel, das ich erreichen will, bedingt oft ein Gegenüber, für das ich aber nicht bestimmen kann.

Ich finde sehr wohl, dass man selbst das Möglichste tun kann, um die Chance zu erhöhen, etwas zu bekommen oder zu erreichen. Aber zu 100 Prozent geht das nicht. Es gibt Limitierungen, da kann ich hüpfen, springen, mich am Kopf stellen. Ab einem gewissen Punkt liegt die Erreichung eines von mir angepeilten Ziels nicht mehr in meiner Macht.

Mein selbst erlebtes „Paradebeispiel“ ist die Arbeitssuche, gerade für viele Menschen wieder ein aktuelles Thema. Ein Geburtsdatum in den 60er oder 70er Jahren auf Bewerbungsdokumenten ist eine Limitierung. Da musst auch bei guter Ausbildung und Qualifikation extremes Glück haben.

Oder frage Menschen, die gern eine erfüllende Partnerschaft hätten. Oder Menschen, die einen unerfüllbaren Kinderwunsch haben. Alle werden ihr Möglichstes tun, um ihr Ziel zu erreichen. Trotzdem werden es nicht alle schaffen. Will man diesen Menschen sagen, jeder ist seines Glückes Schmied oder man kann alles erreichen, wenn man nur will? Und wenn sie das Gewünschte nicht erreichen, dann sind sie selbst schuld, weil sie sich zu wenig angestrengt oder etwas falsch gemacht haben? Ein zynischer Lebensblick auf das Leben. Das führt zu einer sehr unempathischen, unsolidarischen und leistungsorientierten Gesellschaft mit zu vielen allmachtsfantasierenden Individuen.

Darum finde ich es so wichtig, nicht nur meine Stärken, sondern auch Schwächen zu zeigen, um vielleicht auch andere Menschen damit zu inspirieren. Wenn das Kreise zieht, erhöht sich die Chance, wieder mehr füreinander als gegeneinander da zu sein.Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Lebensleistungen mindestens den selben Wert bekommen wie Arbeitsleistungen. Dann können wir uns alle auf Augenhöhe begegnen. Das brauchen wir dringend.

VOLL50: Was bedeutet für Dich Selbstschutz?

Michaela Ziegler: Die Wahl zu haben, was von mir sichtbar sein darf und was nicht. Ich schreibe selbst einen kleinen Blog, in dem ich mein Leben als Frau von Format thematisiere(n wollte), doch ich merke, dass es mir oft schwer fällt, mich dazu öffentlich/sichtbar zu machen. Dabei ich hätte einiges zu sagen, gerade über die gesellschaftlichen Bilder von dicken Menschen.

Selbstschutz ist für mich, auch mal den Mund zu halten und mir gut zu überlegen, mit wem ich worüber diskutiere und ob es der Situation förderlich ist. Da spare ich mir lieber die Energie und mache selbst das Beste, das mir möglich ist. So jongliere ich gemäß meinem jeweiligen

Gefühlsbarometer zwischen sichtbar und unsichtbar. Was aber die Schützefrau in mir dann wieder in Rage bringt. Sie hat immer wieder Angst, unscheinbar zu werden, was bei einer Frau von Format eher unwahrscheinlich ist. 🙂 Ich arbeite noch an Strategien für meinen Selbstschutz, die kräfteschonend, wirkungsvoll und effizient sind.

Voll50: Wofür sollte man mit voll50 eine Fünftagewoche auf eine Siebentagewoche ausdehnen?

Michaela Ziegler: Konfuzius wird der Satz zugeschrieben: „Wenn Du liebst, was Du tust, wirst Du nie wieder in Deinem Leben arbeiten.“ Ich träume von einer Welt, in der wir mit dem, was wir lieben, unser Leben finanzieren, unseren Talenten Raum geben können und diese nicht im Arbeitsalltag beiseite geschoben werden müssen. Wenn wir die Chance haben, dass der Beruf und daraus resultierend die Arbeit mehr der Berufung folgen dürfen als der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu sichern – wobei das eine das andere nicht ausschließt, aber nicht die Regel ist -, dann würde ich auf jeden Fall für die Siebentagewoche plädieren. Ich bin fest der Überzeugung, dass es unserer Gesellschaft und auch der Wirtschaft in jeder Hinsicht gut tun würde, wenn Arbeit auch zur ausübenden Person passt.

VOLL50: Wo erlebst Du einen Zustand der inneren Ruhe?

Michaela Ziegler: Ich sollte nun wohl antworten bei Meditation und Yoga 🙂 So ist es aber nicht. Es sind Momente, wie mit meinen Katerbuben am Sofa liegen und sie es sich auf oder neben mir gemütlich machen (was nicht immer gemütlich für mich bedeutet, wie mitlesendes Katzenpersonal bestätigen kann). Wenn ich auf meiner Terrasse sitze, rundum Stille herrscht und ich einfach nur schaue und atme und die Vögel im Flieder beobachte. Wenn ich mit einer lieben Freundin spazieren gehe, in der Natur bin, alles wie mit Kinderaugen betrachten und sich die Welt einmal für eine gewisse Zeit nicht mit Hochgeschwindigkeit dreht.

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