Harrys Heldenreise

Meine Mutter hat eine ganz gute Intuition. Leider folgt sie ihr nicht immer. Weshalb ich es auch nicht tun kann. Doch wenn ich einmal einen Impuls von ihr bekomme, schaue ich schon mal, wohin er mich führt.

„Vielleicht komme ich dazu durch die Hintertür/Perhaps I am coming at this through the backdoor“

Die Analytik vorsichtig einsetzen und Träume definieren hat “Voll50”-Frau Ingrid Dabringer gelernt. Deshalb baut sie sich bald eine Sauna.

“Fully50” – Woman Ingrid Dabringer has learned to use analytics carefully and define dreams. That’s why she’s going to build a sauna soon.

VOLL50: Welche Sprosse der Lebensleiter hast Du übersprungen? Which rung of the ladder of life did you skip?


Ingrid Dabringer:
Die Kindheit und das damit verbundene Zuhause. Mit zwölf Jahren hatte ich in fünf verschiedenen Länder ein Zuhause gehabt: Indonesien, Libanon, Kanada, Mexiko und Ecuador. Mein Vater war ein österreichischer Handelsdelegierter und meine Mutter stammte aus den USA. Wir haben also Österreich vertreten, aber meine Muttersprache war definitiv Englisch. Aber ich hatte nie an einem dieser Orte gelebt und sie als Zuhause bezeichnet, selbst wenn ich sie im Ausland vertreten hätte. Ich würde sagen, ich war aus Österreich und den USA, ohne dort gelebt zu haben. Und es war auch klar, dass ich nicht von einem der Orte kam, an denen ich lebte. Ich lebe jetzt in Kanada. Es ist eine Art europäische Version von Amerika.

Als ich nach Boston zog und 13 wurde, bin ich total ausgeflippt. Ich erinnere mich, dass Andrea Troxel mir erzählte, dass sie ihr ganzes Leben im selben Haus gelebt hatte und dass sie eine sechzehnjährige Katze hatte, die älter war als sie, und dass sie diese Katze auch ihr ganzes Leben lang gehabt hatte. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie eine pathologische Lügnerin war, weil nichts davon für mein Gehirn Sinn machte. Natürlich hat sie nicht gelogen, und es war alles wahr. Aber ich dachte, Katzen leben nur zwei bis drei Jahre, weil meine Katzen im Freien aufgrund all der Hunde, die unser Haus umgaben, nur so lange lebten. Wir haben jede fehlende Katze durch eine neue Katze ersetzt.

Auf jeden Fall habe ich viele Orte, an denen ich mich jetzt zu Hause fühle. Ich habe Freunde und Verwandte in vielen verschiedenen Städten und Ländern. Als ich aufwuchs, sagten die Leute immer: „Du bist so glücklich, die Welt zu sehen. Weißt du das?“ Dies ist jedoch eine oberflächliche Analyse, da die Details unter all diesen Bewegungen nicht alle angenehm sind. Es war kein Urlaub. Es war ein Leben. Es gab einen Verlust von Bezugspersonen und Freunden. Es gab einen Krieg im Libanon, der PTBS verursachte. Und es gab eine sehr lange Trennung zwischen meinen Eltern, die dazu führte, dass ich in den vier Jahren zwischen 8 und 12 zehnmal umzog. Obwohl ich für all meine Erfahrungen als Kind dankbar bin, gibt es doch einige Kindheitserfahrungen, auf die ich verzichten könnte und die einer konventionellen Definition von Kindheit und Zuhause wirklich im Wege standen.

Childhood and the associated home. I had called five different countries home by the time I was twelve: Indonesia, Lebanon, Canada, Mexico, and Ecuador. My father was an Austrian Trade Commissioner and my mother was from the United States. So, we represented Austria but my mother-tongue was definitely English. But, I had never lived in either place and never called either place home even if I represented them abroad. I would say I was from Austria and the US without having lived there. And, it was also clear that I wasn’t from any of the places I was living. I now live in Canada. It’s kind of the European version of America.

When I moved to Boston, and turned 13, it completely freaked me out. I remember Andrea Troxel telling me that she had lived in the same house her whole life and that she had a sixteen-year-old cat that was older than her, and that she had also had this cat her whole life. I was pretty certain that she was a pathological liar because none of that made sense to my brain. Of course she wasn’t lying, and it was all true. But, I thought cats only lasted 2-3 years because my outdoor cats would only last that long due to all of the dogs that surrounded our house. We replaced each missing cat with a new cat.

At any rate, I have many places I feel are homes now. I have friends and loved ones in many different cities and countries. While I was growing up people always said, “You’re so lucky to see the world. Do you know that?” But, that is a superficial analysis because the details underneath all of those moves are not all pleasant. It wasn’t a vacation. It was a life. There was loss of caregivers and friends. There was war in Lebanon that caused PTSD. And, there was a very long drawn-out separation between my parents that caused me to move ten times in four years between 8 and 12. So, although I’m grateful for all of my experiences as a child, there are quite a few childhood experiences that I could do without and that truly got in the way of a conventional definition of childhood and home.

VOLL50: Welche Rolle spielt Polarität mit voll50?/Which role does polarity play with fully50?

Ingrid Dabringer:
Es gibt so viele Polaritäten, die man jetzt mit 50 kennt. Ich stelle mir vor, dass es vorher genauso viele Polaritäten gab, aber ich denke, wir sind einfach klug genug, sie jetzt zu sehen, sie sinnvoll zu benennen und zu definieren. Aber sie auch zu fühlen – geistig und körperlich. Bei mir betrifft das die Verbindung zwischen meine Hüfte und den Füße und meinen Absichten. Es gibt jetzt eine Akzeptanz und Großzügigkeit und eine Offenheit für das Leben, die einigen sehr realen physischen Realitäten direkt zu widersprechen scheinen. Die Wechseljahre sind sowohl verrückt als auch befreiend. In den gleichen drei Jahren, in denen sich meine Periode verlangsamte und aufhörte, hat sich in meinem Körper so viel verändert. Mein Sehvermögen, meine Hüfte, Hitzewallungen, meine Fähigkeit, etwas zu buchstabieren oder sich an etwas zu erinnern. Ist ein bisschen wie sterben. Und dann merkt man, dass es Wechseljahre sind und lässt sich darauf ein. Dies alles passt zu den Kindern, die gehen oder gehen wollen, und es ist ziemlich markant. Das ganze empty nest-Syndrom ist ziemlich real. Es gibt diese massive Verschiebung zwischen Fülle und Leere. Die Betonung lautet jedoch: „Womit möchte ich es füllen? Was will ich? Was sind jetzt meine Ziele? Was möchte ich ändern? Wie will ich wachsen? “ Es geht viel um mich und mein Potenzial, auch wenn meine Hüfte und meine Füße Grenzen setzen. Aber die Grenzen tragen sehr dazu bei, das Potenzial zu definieren. Ein Künstler beschäftigt sich in erster Linie kontinuierlich mit der Festlegung von Grenzen: Das Medium, die Größe der Leinwand oder des Projekts, die Zeit – all dies trägt dazu bei, Raum zu schaffen, die Aufmerksamkeit zu schärfen und die Form zu formen, die zum endgültigen Stück wird. Die Vorstellung, dass es in der Kunst in erster Linie um Talent oder Inspiration geht, basiert auf alten romantischen Vorstellungen. Grenzen schaffen die Möglichkeiten. Der Übergang begann mit: „Oh nein! Ich wechsle.“ Und endete mit: „Wie möchte ich diese Änderung bewirken?“ Sehr praktisch fühlen sich meine Füße ganz gut an, wenn ich auf unebenem Boden gehe – in den Hügeln der Natur. Sie mögen überhaupt keinen Beton. Meine zukünftige Wachstumsstrategie besteht also darin, mit einigen dieser Polaritäten umzugehen, indem ich in die Berge ziehe, um ein Gleichgewicht herzustellen.

There are so many polarities that one is aware of now at 50. I imagine that there were just as many polarities previously but I think that we are simply wise enough to see them now, name them meaningfully, and define them. But, particularly, feel them – spiritually and physically. Specifically, my hip/feet vs. my purpose. There is an acceptance and generosity and an openness about life now that seems to directly contradict some very real physical realities. Menopause is both maddening and freeing. So much has changed in my body over the same three years where my period slowed and stopped. My eyesight, my hip, hot flashes, my ability to spell or remember anything. You kind of feel like you might be dying for a stretch there. And then you realize it’s menopause and you settle into it. This is all matched with the kids leaving or planning to leave and it’s quite striking. The whole empty-nest syndrome is quite real. There is this massive shift between fullness and emptiness. But, the emphasis becomes, “What do I want to fill it with? What do I want? What are my goals now? What do I want to change? How do I want to grow?” It’s a lot about me and my potential right now, even if my hip and feet create some boundaries. But the boundaries are very much what help to define potential. An artist, first and foremost, engages continuously with the setting of boundaries: The medium, the size of the canvas or project, the time – they all help to provide scope, hone attention, and sculpt the form that become the final piece. The notion that art is primarily about talent or inspiration is based in old romantic notions. Boundaries create the opportunities. The transition started with, “Oh no! I’m changing.” And ended with, “How do I want to effect this change?” Very practically speaking, my feet feel quite fine if I walk on uneven ground – in the hills in nature. They do not like concrete at all. So my future growth strategy involves dealing with some of these polarities by moving to the hills to bring about balance.


VOLL50: Wo endet Diplomatie?/When does diplomacy end?

Ingrid Dabringer: Ich lerne es gerade. Endet es? Sollte ich mir die Mühe machen, es zu lernen?Ich habe etwas, das ich „germanische Barbarei“ nenne. Ich sage einfach Dinge, die manchmal etwas hart und stumpf sind. Undiplomatisch. Es ist der Verstand meines analytischen Künstlers. „Warum, warum, warum. Und wie, wo, wann und wer? “ So oft „Aber …“ und „Was wäre wenn“ in meinem Kopf. Ich wende sie gleichermaßen auf mich an. (Ich sollte auch beachten, dass die meisten meiner Freunde und Familienmitglieder mich für meine Fähigkeit schätzen, ihnen gleichzeitig zuzuhören und sie analytisch zu unterstützen. Ich bin kein kompletter Schläger!) Es ist mehr so, dass ich die Kanten ein bisschen weicher machen möchte. Ich habe so einen analytischen Verstand, dass ich vergesse, dass andere keine Analyse benötigen oder verlangen. Ein Teil von mir fühlt: „Das Leben ist kurz. Auf den Punkt gebracht.“ Aber ein Teil des Prozesses besteht seltsamerweise darin, langsamer zu werden und aufmerksamer und offener und sanfter zuzuhören. Ich mache seit sechs Monaten Qi Gong und Tai Chi und das hat mir geholfen, langsamer zu werden und zuzuhören. Ich kann tatsächlich hören, wie sich mein Körper bewegt, und jetzt auf meine Wirbelsäule und meine Schultern hören. Ich höre jetzt aufmerksamer zu als je zuvor und das macht mich diplomatischer. Vielleicht komme ich dazu durch die Hintertür. Ich hatte in meiner Jugend so viel Diplomatie im Kopf meiner Künstlerin, dass meine Strategie damals darin bestand, in Situationen, in denen ich nicht die Autorität hatte, still zu bleiben. Bei Diplomatie geht es mir im Moment darum, durch Zuhören ein Gleichgewicht zu erreichen.

I’m just learning it. Does it end? Should I bother learning it?
I have something I call “Germanic barbarism.” I simply say things that are a little harsh and blunt sometimes. Undiplomatic. It’s my analytical artist’s mind. “Why, why, why. And, how, where, when, and who?” So many, “But…” and “what ifs” in my head. I apply them to myself equally. (I should also note that most of my friends and family value me for my ability to simultaneously listen and support them analytically. I’m not a complete brute!) It’s more that I want to soften the edges a bit more. I have such an analytical mind that I forget that others don’t, or that they didn’t actually ask for, or require, any analysis whatsoever. Part of me feels, “life is short. Cut to the chase.” But, part of the chase is, oddly enough, to slow down and listen more attentively, more open-free-gently.
I have been doing Qi Gong and Tai Chi for the last six months and that has helped me slow down and listen. I can actually hear my body move and listen to my spine now and my shoulders. I am listening more attentively now than ever before and this is making me more diplomatic. Perhaps I am coming at this through the backdoor. I had so much diplomacy applied to my artist’s mind in my youth that I my strategy back then was just to keep quiet in situations where I didn’t have the authority. Diplomacy, for me right now, is about achieving balance through listening.

VOLL50: Aus welchem Traum bist du mit voll50 erwacht?/From which dream did you wake up with fully50?

Ingrid Dabringer Wer bin ich wirklich? Was will ich eigentlich? Was muss ich tun, um es zu bekommen? Warum will ich was ich will? Wer bin ich, wenn die Kinder weg sind? Es gibt eine bestimmte Art von Erfolgstraum, der in einem Leben passieren kann. Die meisten meiner Träume von Errungenschaften wurden durch Umstände und infolgedessen durch andere oder überhaupt nicht definiert. Und als Künstlerin habe ich eine merkwürdige Kombination aus Fluidität und Urteilsvermögen, die sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Meine Ziele haben sich bisher sehr passiv angefühlt, reaktiv und weniger kontrolliert. Ich mache gerade einen Prozess durch, in dem ich diese Träume aktiv aus einer vagen Wunschliste oder einem Unterbewusstsein herausziehe und sie in eine Zukunftsvision setze – wie ein Trugbild am Horizont. Es stellt sich heraus, dass der große Traum, den ich derzeit aktiv benenne, darin besteht, eine Sauna zu bauen. Als lernende Designerin, die an das Planen vom Ende her glaubt. Es ist jetzt auch klar, dass ich Zugang zu einem Stück Land brauche, auf dem ich diese Sauna platzieren kann. Ich habe Videos gesehen, wie man kleine Hütten baut. Es ist alles so erreichbar. Diese Videos helfen mir, mich darauf zu konzentrieren, diesen Traum zu verwirklichen. Es ist schön zu sehen, wie einfach es ist, meinen Traum zu verwirklichen, und wie viele es bereits erreicht haben.

Who am I really? What do I actually want? What do I have to do to get it? Why do I want what I want? Who am I when the kids are gone?
There is a certain kind of dream of achievement that can happen in a life. Most of my dreams of achievements have been defined by circumstance and as a result, through others or not at all. And as an artist, I have a curious combination of fluidity and judgement which has both upsides and down. My goals have felt very passive up until now, reactive and less controlled. I’m going through a process in which I am actively pulling those dreams out of a vague wish-list or subconscious, and setting them into a future vision – like a mirage on the horizon. It turns out that the big dream that I am currently, actively naming is that I want to build a sauna. And as a learning designer who believes in backward design. It’s also now clear that I need access to a piece of land on which to put that sauna. I have been watching videos on how to build small huts. It’s all so achievable. These videos are helping me stay focused on achieving this dream. It’s beautiful to watch how easy my dream is to achieve and how so many have already achieved it.


VOLL50: Was macht man am besten mit seinen Talenten?/What is the best thing you can do with your talents?

Ingrid Dabringer: Ich finde das immer noch heraus. Anderen zu helfen, kreativ zu denken und zu bauen. Das Geschichtenerzählen zwischen Menschen und Gesellschaft erleichtern. Das Leben ist eine Lemniskate – eine Endlosschleife. In der Menschheit geht es um Menschen, die von innen heraus generieren und handeln. Energie fließt von innen heraus, während wir uns durch Raum und Zeit bewegen. Wir platzieren unsere Handlungen in der Welt – wir interagieren. Die Gesellschaft wiederum reagiert auf diese Handlungen und formuliert sie dadurch leicht neu, bevor sie zum Individuum zurückkehren. Der Einzelne muss dann entscheiden, was mit diesen Informationen geschehen soll, wie er auf seine eigenen Handlungen reagieren soll, wie tief er sich engagieren soll, wie viel er investieren soll, was er aufnehmen und was er verwerfen soll. Als Mutter, Freundin, Community-Mitglied oder Berufstätige – das interessiert mich am Leben: Wie wir mit der Welt um uns herum umgehen. Wie wir handeln und sinnvoll reagieren. Ich bin neugierig auf die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, und auf die Geschichten, die Gesellschaften uns erzählen und wie genau sie die Grenzen der Realität widerspiegeln. Ich möchte es erleichtern, wie Leute diese Geschichten erzählen.

I’m still figuring that out. Help others think and build creatively. Facilitating storytelling between people and society. Life is a lemniscate – an infinity loop – . Humanity is about people generating and acting from within. Energy flows forth from within as we move through space and time. We place our actions into the world – we interact. Society, in turn, responds to these actions, thereby slightly reformulating them before they come back to the individual. The individual must then choose what to do with this information, how to react to their own actions, how deeply to engage, how much to invest, what to absorb, and what to discard. As a mother, a friend, a community member or a professional – that is what interests me about being alive: How we interact with the world around us. How we act and react meaningfully. I am curious about the stories we choose to tell ourselves and the stories that societies tell us and how accurately they reflect the boundaries of reality. I like to facilitate how people tell these stories.

Von Knien und Kohlenstoff

Man sollte ja immer mal wieder etwas Neues ausprobieren – gerade wenn der Frühling vor der Türe steht. Eine neue Gymnastikübung zum Beispiel. Vorher sollte man aber die Kniescheibensehne fragen, ob sie das mag.

Aus Pech mach Gold

Acht Wochen hat dieses Jahr schon wieder auf dem Buckel, und früher als erwartet wärmt uns die Sonne auf. Jetzt fehlt nur noch das Meer. Oder entsprechende Reisefreiheit. Dabei reicht mir schon eine Fahrt nach Tirol.

Erleben, um zu begreifen


Es ist nicht genug, zu sehen, wie fein es ist, „voll50“ zu sein. Deshalb will Ulrike Swoboda ein Vorbild dafür sein.

VOLL50: Von wem kann man mit „voll50“ Kritik gut annehmen?

Ulrike Swoboda: Nehmen, wenn diese respektvoll und achtsam ist, gelingt zu 85 Prozent – also quasi mehr als perfekt. Und gelernt habe ich auch das genaue Hinhören. Das Begreifen des Anliegens, welches hinter der Kritik steckt. Das ja auch verstanden werden will. Das schönste am „voll 50-SEIN“ – finde ich – ist, dass ich Kritik nicht mehr so persönlich nehme und es keine Erschütterung meiner Selbst gibt.

VOLL50: Von welcher Art von Berechnung hast du dich verabschiedet?

Ulrike Swoboda: Von meiner Berechnung, was ich an Pension bekommen werde;-)

VOLL50: Wo sollte man sich mit „voll50“ unbedingt herumtreiben?

Ulrike Swoboda: Dort, wo es Spaß macht, dort wo es lustig ist, dort, wo frau über sich und andere lernen und lachen kann, dort wo frau die eigenen Grenzen kennenlernt und vielleicht sogar erweitert, dort wo es leicht ist. Alles andere treibt sowieso von allein ins Leben herein

VOLL50: Wie reinigst du deinen Geist?

Ulrike Swoboda: Da habe ich unterschiedliche Strategien: entweder mit Musik oder indem ich mich auf den Boden lege und die Beine zehn Minuten an der Wand in die Höhe strecke, oder in dem ich mich in Gedanken ans Meer setze und dem Rhythmus der Wellen lausche und natürlich auch, indem ich die Natur bewusst erlebe, langsam oder schnell durch die Natur schreite – das Tempo dann je nach Laune und Energie und Notwendigkeit.

VOLL50: Welche Erfahrung sollte eine „voll50“-Frau unbedingt weitergeben?

Ulrike Swoboda: Dass es fein ist, „voll 50“-Frau zu sein. Das müssen Menschen im Umfeld sehen und erleben, um zu begreifen. Kognitives Weitergeben und Erklären funktioniert da nicht. Ich hoffe, dass es mir öfter gelingt, hier ein positives Zielbild zu sein.

Fünf Sterne für die Selbstliebe

Manchmal muss man gehen, um zu sich selbst zu finden. Und manchmal muss man in den sauren Apfel beißen, um ein süßes Leben zu genießen, sagt Voll50-Frau Angie Leutner.

VOLL50: Wem oder was würdest du fünf Sterne geben?

Angie Leutner: Ehrlich gesagt, mir selbst. Ich habe eine wundervolle Tochter, ein Haus und auch sonst alles, was man zu einem glücklichen Leben benötigt. Und ich habe es durch meine eigene Kraft soweit gebracht!

VOLL50: Wovor sollte man sich mit „voll50“ schützen gelernt haben?

Angie Leutner: Ich denke, dass es das Wichtigste ist, dass man gelernt hat, auch mal „Nein“ zu sagen.

VOLL50: Auf welche Art von Freiheit kannst du nur schwer verzichten?

Angie Leutner: Ich glaube, es gibt mit voll50 sehr viele Frauen, die unter dem Druck eines Mannes stehen – und somit wenig bis gar keine Freiheit haben. Ich gehöre da gottseidank nicht dazu. Aber das liegt auch daran, dass ich „STOP“ sagen kann. Ich habe das Glück, auf nichts verzichten zu müssen, obwohl ich jeden Tag in meinem Job fahre, wo ich nicht sehr glücklich bin. Doch dort verdiene ich so gut, dass ich mir mein schönes Leben auch alleine leisten kann.

VOLL50: Wann ist das leben eher ein Hürdenlauf – mit voll40 oder mit voll50?

Angie Leutner: Ich denke, dass das nicht wirklich mit dem Alter zu tun hat. Obwohl: Wenn man mit voll50 so verrückt ist wie ich, wird man manchmal schon ein wenig schief angesehen. Ich habe immer noch meine Hobbys: Tanzen, Tauchen, Motorrad und Motorboot fahren.

VOLL50: Was war das wichtigste, was du in deinem Leben niedergerissen hast?

Angie Leutner: Meine erste Ehe mit dem Vater meiner Tochter. Nur so konnten wir die Achtung voreinander und füreinander wieder herstellen. Wir sind heute gute Freunde und dafür bin ich sehr dankbar. Und für meine Tochter ist er der beste Dad, den man sich als Mutter wünschen kann.