„Die einzige Konstante in meinem Leben ist die Flexibilität“

Manchmal möchte Maria Alba Bonomo einfach nur den Mund halten und bei schönem Wetter ein Buch lesen. Doch das Leben ist für sie Veränderung, darauf ist sie eingestellt.

VOLL50: Welchen Grad von Perfektion empfindet man mit voll50 als Luxus?

Maria Alba Bonomo: Ich bin keine Perfektionistin. Mittlerweile gebe ich mich auch mit vielen Kompromissen zufrieden, weil ich merke, dass die Zeit für Perfektionismus nicht mehr reicht. Luxus empfinde ich, glaub ich, nicht und strebe ihn auch nicht an. Ich beschäftige mich noch mit dem Thema Zufriedenheit und Genuß. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel im Kompromiss lebe und so bei jeder Situation und Gelegenheit noch diese kleine Verbesserung anzumerken habe (und sei es nur in Gedanken) – das ist eine schreckliche Eigenschaft, die ich loswerden sollte. Ich fordere sehr viel von mir selber und erwarte manchmal dasselbe von anderen, was natürlich nicht möglich ist. Zufrieden bin ich (leider) erst, wenn ich keinen finanziellen Druck habe, ansonsten bin ich unrund und kann nicht zur Ruhe kommen. Selbst wenn ich in der Natur bin, unser Hütte in den Bergen besuche oder im See schwimme – was für viele ein Luxus sein mag, aber wenn mich finanzielle Sorgen plagen, kann ich diesen Luxus nicht geniessen. Und wenn dann diese Seite mal passt, bekomme ich oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir das jetzt gönne oder ein paar Tage frei genieße – unglaublich blöd oder? Aber Luxus für mich wäre auf jeden Fall einfach Zeit zu haben, keine Termine oder elterliche Verpflichtungen, einfach zu überlegen: So, was mache ich dieses Wochenende – es steht nichts Wichtiges an – das wäre für mich Luxus, dann noch schönes Wetter, mal wieder ein Buch lesen und einfach nichts machen.

VOLL50: Wann verleiht Flexibilität Stabilität?

Maria Alba Bonomo: Die einzige Konstante in meinem Leben ist die Flexibilität. Egal was, ich kann mich sehr schnell auf alle möglichen Situationen einstellen. Man hat schon so viel erlebt und schöpft aus der Erfahrung. Mit drei Kindern plus Mann muss man immer flexibel sein. Man bereitet sich nicht vor auf „uups, ein Loch im Kopf, Hand gebrochen, Bus versäumt, oder Tochter vergisst Handy im Zug, eine Freundin kommt zum Essen – dann doch fünf Freunde und übernachten, komplettes Essen verbrannt“ und so weiter. In solchen Situationen muss man flexibel bleiben, und eine neue Richtung muss her. Ich weiss mittlerweile, dass es für alles eine Lösung gibt. Starre Lösungen und Vorgaben sind nichts für mich. Ich weiss, dass sich immer alles ändert.

VOLL50: Wofür lohnt sich mit voll50 ein Streit voller Lust?

Maria Alba Bonomo: Für gar nichts, ich finde Streiten grundsätzlich blöd. Und trotzdem tu ich es immer wieder, früher mit meinen Eltern, dann mit meinen Kindern und jetzt auch mit meinem Mann. Wenn ich mit jemandem nicht der selben Meinung bin und es laut wird, werde ich auch laut. Und ärgere mich anschliessend wahnsinnig über mich selber, warum ich nicht den Mund gehalten habe. Ich kann ja trotzdem meine Meinung haben. Ein Sieg im Streit ist eigentlich immer ein Verlust.

VOLL50: Was muss passieren, dass der Fels in der Brandung zu bröckeln beginnt?

Maria Alba Bonomo: Wenn ich mich alleine fühle, die Aufgaben und die Verantwortung zu viel für mich und mein Umfeld nichts abnimmt, aber immer weiter und weiter fordert. Und Situationen, auf die ich keinen Einfluss habe und mir Ungerechtigkeit widerfährt.

VOLL50: Wie verändert sich die Idee von Gemeinschaft mit voll50?

Maria Alba Bonomo: Wenn man das Beste für sich und andere möchte, dafür einsteht und sich gegenseitig hilft, es zu erreichen. Neid, Missgunst und Eifersucht haben da keinen Platz. Wenn ich meine Meinung, meine Träume, Wünsche einfach sagen kann, ohne dass sich jemand dadurch beleidigt oder verletzt fühlt. Wenn man gemeinsame Ziele hat und einen Plan schmiedet, wie man diese Ziel erreichen kann und sich dann gemeinsam über das Geschaffene freut. Wenn man gerne Zeit mit Menschen verbringt, von denen man weiss, dass sich auch gerne Zeit mit einem verbringen, ohne dass sie es müssen, weil sie in irgendeiner Art Abhängigkeit stehen (Mutter – Kind).

www.almmarie.com

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