Die Seele wächst an gegenseitiger Wertschätzung

Daniela Rohde bezweifelt, dass es Altruismus gibt und schwört auf Verbundenheit. Dabei kann sie durchaus Konflikte durchstehen und anderen ihre Lösungskompetenz lassen.

VOLL50: Wo und wann hört der Wunsch nach Harmonie um jeden Preis auf?
Daniela Rohde: Zugegeben bin ich ein harmoniebedürftiger Mensch. Früher haben mir Streitigkeiten Angst gemacht. Zu Hause wurde nicht gestritten, sondern die Dinge wurden „totgeschwiegen“, als wären die Konflikte dadurch verschwunden. Je älter ich werde, desto mehr stehe ich Auseinandersetzungen gerne durch, weil ich erkannt habe, dass gerade durch diese mein seelisches Wachstum gefördert wird. Die eigene Entwicklung wird gehemmt durch ein Zuviel an unechter Harmonie. Wenn aber alles ok ist, breche ich sicher keinen Streit vom Zaun.


VOLL50: Wie gestaltet Frau Verbundenheit mit voll50?
Daniela Rohde: Am meisten fühle ich mich mit meiner Familie verbunden. Mein Mann ist mein bester Freund! Die Kinder sind untereinander sehr verbunden. Die Geschwister mit ihren Familien kannst du dir nicht aussuchen. Dennoch bleiben wir für immer verbunden. Freunde kann ich mir aussuchen! Darunter gibt es Menschen, mit denen muss ich nicht jeden Tag telefonieren oder mich ständig treffen. Da telefoniere ich oder treffe sie zweimal im Jahr, und es ist, als hätten wir uns gestern gesehen: So vertraut, so easy … Das ist für mich echte Verbundenheit. In meinem Leben gibt es auch eine Freundin, mit der ich relativ viel Kontakt habe. Ich liebe sie auf eine Art, aber so richtig fließend oder leicht ist die Verbindung nicht. Sie bedarf gewisser Anstrengung! Darum denke ich, diese Freundschaft besteht aus einer Verbundenheit eines langjährigen gemeinsamen Weges, ist aber keine Seelenverwandtschaft. Dennoch ist auch diese Verbundenheit es wert, gelebt zu werden.


VOLL50: Wann platzt dem Altruismus die Hutschnur?
Daniela Rohde: Eine selbstlose Denk- und Handlungsweise – gibt es so etwas noch? Ist nicht in allem, was ich tue, ein klein wenig Egoismus? Warum bekomme ich Kinder? Für mich! Wofür will ich den Patienten die Schmerzen nehmen oder zumindest lindern? Nur für deren Wohl oder
auch ein kleines bisschen, um mein Helfersyndrom zu besänftigen? Warum engagiere ich mich in Vereinen? Weil ich möchte, dass sie fortbestehen und um ein kleines bisschen meinen Ruhm zu mehren?! In allem, was ich tue, scheine ich auch ein wenig meinen eigenen Vorteil zu suchen. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Heuchler. Dennoch bin ich kein purer Egoist! Denke ich… Und wenn ich alles auch ein wenig für mich tue, reißt auch keine Hutschnur.


VOLL50: Warum sollte Frau Voll50 den anderen auch mal Lösungskompetenz zugestehen?
Daniela Rohde: Ganz ehrlich? Damit habe ich gar kein Problem! Ich denke, dass jeder eine hohe Lösungskompetenz in sich trägt.


VOLL50: Was ist befriedigender als Respekt?
Daniela Rohde: Der Begriff Respekt kam häufig von den Eltern oder Lehrern, er hat etwas Eingestaubtes aber auch Einseitiges. Respekt will verdient werden. Anstrengend! Respektable Verhaltensweisen hingegen sind für mich ein Grundstein friedlichen Zusammenlebens. Ein schöneres Gefühl ist die gegenseitige Wertschätzung. Frau weiß, was sie an anderen hat. Und umgekehrt.

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