„Immer wieder phänomenal“

Auf Weltreise gehen, die Vergangenheit loslassen und Langsamkeit zelebrieren – Wünsche und Weisheit begleiten Alexandra Gundolf in ihre Zukunft.

VOLL50: Welche Facette Deines Voll50-Lebens magst du am liebsten?

ALEXANDRA GUNDOLF: Endlich wieder mehr Momente und Situationen zu haben, in denen ich spontan etwas ‚tun und lassen‘ kann, ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu haben oder zwangsweise durch einen Termin nach dem anderen und gewissen Verpflichtungen eingeschränkt zu sein. Verantwortung wieder abzugeben, sowohl aus finanzieller als auch aus personeller Sichtweise. 

VOLL50: Falls Du Dich mal verzettelst: Was steht auf diesen Zetteln?

ALEXANDRA GUNDOLF: Arbeit, Arbeit, Arbeit! Aber zum Glück nehme ich mir immer wieder mehr Freiheiten und auf meinen Zetteln werden dann Träume und Pläne aufgeschrieben, die ich natürlich vorhabe, alle nochmal umzusetzen. Zum Beispiel mein größter Wunsch, nochmal auf Weltreise zu gehen, das Gefühl der Freiheit wieder zu spüren, ohne Zeitdruck, planlos von einem Ort zum anderen, an besonders schönen Orten länger verweilen, an anderen nur durch zu stöbern, neue Erfahrungen zu machen, immer wieder Neues entdecken, die Vielfalt von Land und Leuten erkunden und einfach nur zu leben.

VOLL50: Darf man mit Voll50 auch einmal eine Dramaqueen sein?

ALEXANDRA GUNDOLF: Man darf, aber was bringt es? Je mehr man Dinge dramatisiert und je mehr man sich hineinsteigert, umso gravierender werden sie meistens. Manchmal muss man bestimmte Dinge einfach loslassen können, und das gelingt mir mit all meinen erfahrungsreichen Jahren am Rücken von Jahr zu Jahr besser. Aber vielleicht machen das auch meine vielen Aufenthalte in Afrika und die dortige Lebensweise, mehr Gelassenheit, mehr Geduld, da kann man Dinge nicht so einfach von heute auf morgen ändern. Alles verläuft einen Schritt langsamer. Am Anfang hat mich das wahnsinnig gemacht, aber mittlerweile verstehe ich es viel besser und schöpfe die Vorteile daraus.

VOLL50: In welchen Bereichen Deines Lebens regiert die Freiheit?

ALEXANDRA GUNDOLF: Miteinander zu leben und jeden zu akzeptieren, so wie er/sie ist. Was für mich schlecht ist, kann für Dich gut sein, ohne Vorurteile annehmen, was auf uns zu kommt. Vieles verstehen wir erst viel später, daher im ‚Heute‘ leben und genießen, denn das Vergangene können wir nicht mehr ändern und wer weiß, was die Zukunft noch so alles bringt. Freiheit ist nicht nur räumlich beschränkt, sondern auch in den Gedanken verankert. Ich fühle mich besonders frei, wenn ich die Natur und das Leben so annehmen kann, wie es geschaffen wurde. Jeder hat seine eigenen Energie- und Kraftquellen, die ich zu nutzen versuche. Es muss nicht immer alles verändert und zurechtgerückt werden. Nimm es, wie es ist und versuch, das Beste daraus zu machen, für mich, meine Mitmenschen und mein Umfeld – mein Lebensmotto mit voll 50.

VOLL50: Woran sollte eine Voll50-Frau ihr Herz nicht hängen?

ALEXANDRA GUNDOLF: An die Vergangenheit, obwohl das nicht immer funktioniert. Ich erwische mich immer wieder bei Gedanken und Fragen, hätte ich das besser oder anders machen sollen, aber was vorbei ist, ist vorbei. Manchmal trifft man Entscheidungen und zweifelt, muss sich dann aber doch für eine entscheiden. Jahre später oder oft auch nur, wenn die Umstände ein klein wenig anders wären, würde man vielleicht anders entscheiden, aber wir haben ja hoffentlich noch viel, viel Zeit das herauszufinden. Abwechslungsreiche Jahre haben mir viele Erfahrungen gebracht, obwohl ich zwischendurch auch immer wieder auf einiges verzichten musste, aber so ist das Leben, je bunter – je schöner! Und man ist nie zu alt, nochmal neu durchzustarten. Herausforderungen machen das Leben erst so richtig interessant und immer wieder phänomenal.

www.schulprojekt-ghana.at

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