Wechseljahre aus der Tabuzone holen

Sich mit einem breiten Lächeln zur dieser wechselvollen Phase eines Frauenlebens zu bekennen, schenkt Gelassenheit und kann sogar die nächste Hitzewallung verhindern. Hildegard Aman-Habacht weiß, wovon sie spricht.

VOLL50: Wie lässt sich ein offenes Herz und Verletzlichkeit verbinden?

Hildegard Aman-Habacht: Verletzlichkeit offenbart unsere Fehler, bringt uns in Verbindung mit unseren Ängsten und macht uns zu dem, was wir sind: zu Menschen. Menschlich zu sein heißt, verwundbar zu sein und öffnet Herzen. Emotionen, Gefühle und unser tiefstes inneres Sein kommen dabei zu Tage und zeigen unser wahres Ich. Damit können wir die Selbstlüge beenden, die wir vielleicht viele Jahre mit uns getragen haben. Damit können wir zu unseren Ängsten stehen, „Ja“ sagen zu unseren Zweifeln, uns selbst voller Ehrlichkeit begegnen, Neues entdecken, Balance finden und mehr und mehr bei uns selbst ankommen.

Verwundbarkeit im Außen zu zeigen, kann jedoch auch auf Unverständnis stoßen. Menschen werden in ihren eigenen Unzulänglichkeiten getriggert, zwanghaft Unterdrücktes kommt möglicherweise unkontrolliert hoch und entlädt sich explosiv. Jetzt heißt es noch mehr das Herz zu öffnen, indem wir das Gegenüber annehmen, wie es ist, ihm Liebe und Mitgefühl entgegenbringen.

Ein offenes Herz und Verletzlichkeit haben in unserer Welt wenig Platz und damit verbunden Mitgefühl, Einfühlsamkeit, Ehrlichkeit und Liebe. Doch ist es nicht gerade das, was Frau in den Wechseljahren benötigt? Um den Wechseljahren zu begegnen und all die Facetten der Millionen Farben des Wesens der Wechseljahre zu leben, darf Frau sich zunächst einmal verwundbar zeigen, indem sie sich ihre Wechseljahre eingesteht, sie aus der Tabuzone holt, indem sie öffentlich darüber spricht und sich zum nächsten Schweißausbruch voller Ehrlichkeit, mit einem breiten Grinsen bekennt. Nicht (mehr) perfekt zu sein, ist die verwundbare Seite für viele Frauen in den Wechseljahren. Doch sind es nicht gerade die Wechseljahre, die uns einladen, wieder bei uns anzukommen, nach vielen Jahren des Kümmerns um andere? Sind es nicht gerade die Wechseljahre, die uns auffordern unsere Träume und Visionen zu leben? Ja! Sie triggern es geradezu. Geben wir dem Begehren unseres Herzens nicht nach, stehen wir nicht zu uns und unseren Unzulänglichkeiten und zeigen uns damit weder verletzlich, noch verwundbar, rächen sie sich mit Hitzewallungen, Schlafstörungen & Co. Ein offenes Herz und Verletzlichkeit ist wie „Liebe ohne Kontrolle und Zwang“.

VOLL50: Wieviel Stabilität braucht frau mit voll50 für ihre Unabhängigkeit?

Hildegard Aman-Habacht: Unabhängigkeit zu leben braucht Mut, um die Komfortzone zu verlassen. Es braucht eine Menge an Vertrauen, Disziplin und Konsequenz. Unabhängig zu sein, neue Wege zu gehen, Visionen und Träume zu leben, bringt immer Instabilität ins Leben. Alles beginnt zu wanken, vieles gerät aus den Fugen. Doch die Wurzeln und die Selbstverständlichkeit zum Leben lassen auch den stärksten Baum im Sturm stabil im Boden verankert bleiben. In der Stabilität können wir unseren Selbstwert erkennen. Bei vielen Frauen ist dieser gerade in Wechseljahren nahezu abhanden gekommen. Sie meinen, nichts mehr zu taugen, zum alten Eisen zu gehören. Sie betrachten sich als ausrangiert und erkennen nicht, was sie in all den Jahren an Fähigkeiten, an Erkenntnissen und Erfahrung angesammelt haben. Die Frau Voll50 darf sich ihrer Weisheit bewusst werden und diese in vollen Zügen leben. Nur so kann sie ihr Wissen auf Schiene bringen und die ganze Welt daran teilhaben lassen. Selbst wenn die Stabilität zeitweise aus den Fugen zu geraten droht, es ist nur eine neue Ausrichtung, eine Umorientierung, das Entdecken der Einzigartigkeit. Mit offenem Herzen durch die Welt zu gehen und sich verletzlich zu zeigen, stärkt unsere Wurzeln, stärkt unseren Selbstwert und damit unsere Stabilität. Verständnis für den neuen Weg wird uns entgegengebracht und wir können unsere neue Unabhängigkeit mit viel Mut und Vertrauen erobern. Fehler werden akzeptiert, Umorientierung respektiert. Es geht darum „Die Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen“.

VOLL50: Wo verläuft die Grenze zwischen Lieben und Aufopfern?

Hildegard Aman-Habacht: Sich aus Liebe aufzuopfern, ist unbewusst an Bedingungen geknüpft. Wir wollen doch alle geliebt werden, am liebsten so, wie wir sind. Das veranlasst uns dazu, Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Ganz tief in unserem Inneren schwingt die Sorge mit, dass wir möglicherweise nicht mehr geliebt werden, dass wir abgelehnt werden, wenn wir den Liebsten nicht unter die Arme greifen. Sich aus Liebe aufzuopfern beruht immer auf Ängsten. Es ist keine wertfreie Liebe, sondern an eine Bedingung geknüpft: „Wenn,… dann… hast du mich lieb, nimmst mich an, …!“

Zu lieben, aus Liebe etwas zu tun oder nicht zu tun, ist eng an Dankbarkeit, Demut, Selbstakzeptanz und Mut gekoppelt, ohne Regeln und ohne Bedingungen.

Um die Grenze zwischen einem wirklichen Liebesdienst und einer Aufopferung zu finden, bedarf es, diese bewusst gesetzten Bedingungen an die Liebe zu hinterfragen. Um wirklich frei unseren Weg durch die Wechseljahre zu gehen, dürfen wir all diese Begrenzungen loslassen, alle Regeln für die Liebe umstoßen und Liebe einfach fließen lassen.

Das geschieht jedoch erst, wenn wir uns selbst so annehmen können, wie wir sind, zu unseren Entscheidungen stehen, ohne Wenn und Aber, dankbar sind für das was ist, den Mut haben uns verletzlich zu zeigen, unsere eigenen Ängste annehmen und vieles mehr.

Und damit bedingt die Liebe das Ende des Kämpfens, ein Ende der Widerstände und der Opferhaltung. Die Grenze verläuft dort, wo es „frei fließt“, offen – ehrlich – direkt!

VOLL50: Wie fängt frau mit voll50 ihren kreativen Geist ein?

Hildegard Aman-Habacht: Der Ausdruck der eigenen Bedürfnisse und Wünsche, gepaart mit einem authentischen Leben voller Leidenschaft, bringt der Frau in den Wechseljahren ihre Kreativität näher. Dazu bedarf es die Rollen, die nicht mehr zu ihr passen, jeden Tag etwas mehr zu entdecken, und sie mehr und mehr loszulassen.

Oft sind wir Frauen Voll50 zugemüllt mit Selbstkritik und Wutemotionen, Unausgesprochenem die uns Kraft, Energie und den Zugang zu unserer Kreativität rauben. Reflexion, Arbeit an sich selbst, Weiterentwicklung, Öffnung für spirituelle Ansätze bringen uns wieder in Verbindung mit unserer Einzigartigkeit, unserem Potential, unseren Fähigkeiten und unserer Leidenschaft.

Dann ist es Zeit sich Raum zu nehmen, um den Träumen und Ideen Gestalt und Ausdruck zu verleihen. Doch auch dazu braucht es Mut, denn es zieht oft eklatante Veränderungen mit sich. Der kreative Geist der Wechseljahre schenkt der Frau Voll50 all die Energie, die Kraft und das Vertrauen die es für diesen wichtigen Schritt braucht.

VOLL50: Was ist die Sonnenseite von Resignation?

Hildegard Aman-Habacht: Resignation führt uns tief hinab in die dunkelste Ecke unserer Seele. Traurigkeit, Melancholie, Frustration und vielleicht auch ein bisschen Wut formieren sich. Viele Frauen in den Wechseljahren leiden, im wahrsten Sinn des Wortes unter Depression und Resignation. Tagelang verschanzen sie sich in ihrer Einsamkeit, ihrer Schwermut und ihrem Weltschmerz. Schaffen sie es jedoch, diese Qualität für sich zu nützen, so schöpfen sie schlussendlich genau daraus die Energie, um wie der Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen. Frau Voll50 kann aus Resignation eine enorme Kraft mitnehmen, um tief in ihre Kreativität einzutauchen und Inspirationen, Visionen und Ideen für einen Neustart hervorzubringen. Es ist tatsächlich eine Veredelung, für die frau zuerst tief in sich gehen darf, bis an die Grenzen ihrer Seele.

www.meine-wechseljahre.com

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