Die Seele wächst an gegenseitiger Wertschätzung

Daniela Rohde bezweifelt, dass es Altruismus gibt und schwört auf Verbundenheit. Dabei kann sie durchaus Konflikte durchstehen und anderen ihre Lösungskompetenz lassen.

VOLL50: Wo und wann hört der Wunsch nach Harmonie um jeden Preis auf?
Daniela Rohde: Zugegeben bin ich ein harmoniebedürftiger Mensch. Früher haben mir Streitigkeiten Angst gemacht. Zu Hause wurde nicht gestritten, sondern die Dinge wurden „totgeschwiegen“, als wären die Konflikte dadurch verschwunden. Je älter ich werde, desto mehr stehe ich Auseinandersetzungen gerne durch, weil ich erkannt habe, dass gerade durch diese mein seelisches Wachstum gefördert wird. Die eigene Entwicklung wird gehemmt durch ein Zuviel an unechter Harmonie. Wenn aber alles ok ist, breche ich sicher keinen Streit vom Zaun.


VOLL50: Wie gestaltet Frau Verbundenheit mit voll50?
Daniela Rohde: Am meisten fühle ich mich mit meiner Familie verbunden. Mein Mann ist mein bester Freund! Die Kinder sind untereinander sehr verbunden. Die Geschwister mit ihren Familien kannst du dir nicht aussuchen. Dennoch bleiben wir für immer verbunden. Freunde kann ich mir aussuchen! Darunter gibt es Menschen, mit denen muss ich nicht jeden Tag telefonieren oder mich ständig treffen. Da telefoniere ich oder treffe sie zweimal im Jahr, und es ist, als hätten wir uns gestern gesehen: So vertraut, so easy … Das ist für mich echte Verbundenheit. In meinem Leben gibt es auch eine Freundin, mit der ich relativ viel Kontakt habe. Ich liebe sie auf eine Art, aber so richtig fließend oder leicht ist die Verbindung nicht. Sie bedarf gewisser Anstrengung! Darum denke ich, diese Freundschaft besteht aus einer Verbundenheit eines langjährigen gemeinsamen Weges, ist aber keine Seelenverwandtschaft. Dennoch ist auch diese Verbundenheit es wert, gelebt zu werden.


VOLL50: Wann platzt dem Altruismus die Hutschnur?
Daniela Rohde: Eine selbstlose Denk- und Handlungsweise – gibt es so etwas noch? Ist nicht in allem, was ich tue, ein klein wenig Egoismus? Warum bekomme ich Kinder? Für mich! Wofür will ich den Patienten die Schmerzen nehmen oder zumindest lindern? Nur für deren Wohl oder
auch ein kleines bisschen, um mein Helfersyndrom zu besänftigen? Warum engagiere ich mich in Vereinen? Weil ich möchte, dass sie fortbestehen und um ein kleines bisschen meinen Ruhm zu mehren?! In allem, was ich tue, scheine ich auch ein wenig meinen eigenen Vorteil zu suchen. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Heuchler. Dennoch bin ich kein purer Egoist! Denke ich… Und wenn ich alles auch ein wenig für mich tue, reißt auch keine Hutschnur.


VOLL50: Warum sollte Frau Voll50 den anderen auch mal Lösungskompetenz zugestehen?
Daniela Rohde: Ganz ehrlich? Damit habe ich gar kein Problem! Ich denke, dass jeder eine hohe Lösungskompetenz in sich trägt.


VOLL50: Was ist befriedigender als Respekt?
Daniela Rohde: Der Begriff Respekt kam häufig von den Eltern oder Lehrern, er hat etwas Eingestaubtes aber auch Einseitiges. Respekt will verdient werden. Anstrengend! Respektable Verhaltensweisen hingegen sind für mich ein Grundstein friedlichen Zusammenlebens. Ein schöneres Gefühl ist die gegenseitige Wertschätzung. Frau weiß, was sie an anderen hat. Und umgekehrt.

Von der Stärke, die eigene Meinung zu ändern

Andrea Kirchtag will aus dem Vollen schöpfen, jetzt mit voll50 mehr denn je. Und sie ist nicht auf der Welt, um so zu werden, wie andere sie wollen. Vor allem nicht ruhig.

VOLL50: Was versäumt frau mit voll50 gerne?

Andrea Kirchtag: Ich versäume gerne Zusammenkünfte, bei denen es nur und ausschließlich um Meinungsdiskussionen geht – ums Recht behalten, ums Durchsetzen und ums Besserwissen. Ich liebe es hingegen, mich mit Menschen auszutauschen, die wirklich etwas zu sagen haben und von denen man lernen kann. Ich schätze die Fähigkeit, unterschiedliche Ansichten auch einfach stehen lassen zu können – frei nach dem Motto „Let’s agree to disagree“

VOLL50: Ist es ein Widerspruch, zur Ruhe zu kommen und Veränderungen zu suchen?

Andrea Kirchtag: Für mich ist das gar kein Widerspruch. Ich bin ein Mensch, der Veränderungen braucht. Dann fühle ich mich lebendig und kann meine Ziele verfolgen und Neues erleben. Und als gelernte Psychologin weiß ich, dass jede Lebensphase auch immer wieder Veränderungen mit sich bringt. Als 30-Jährige haben mich natürlich andere Dinge beschäftigt als jetzt. Und das ist gut so. Während ich mich in jungen Jahren noch über so Vieles aufgeregt habe und „überall meinen Senf dazugeben musste“, erlaube ich mir seit mehreren Jahren, meine Meinung einfach auch einmal nicht kundzutun. Das finde ich sehr befreiend. Und die Ruhe? Die habe ich mein ganzes Leben gebraucht – schon als kleines Kind war mein Ruhepol das All-Eins-Sein in der Natur – das ist bis heute so geblieben. Bewegung in der Natur ist für mich die beste Kraft- und Ruhequelle.

Allerdings kann ich mit der Empfehlung von so manchen Menschen in meiner Umgebung, dass es auch für mich langsam Zeit wäre, etwas leiser zu treten, wenig anfangen. Das trifft für jene zu, die sich schon auf die Pension freuen und darauf hinarbeiten. Und manche sind dann ganz verblüfft, wenn ich sage, dass ich so voller Ideen bin und das Gefühl habe, aufgrund von über 30 Jahren Berufserfahrung kombiniert mit meinen vielen Ausbildungen, jetzt so richtig „aus dem Vollen zu schöpfen“. Die Vorstellung, dass ich „zur Ruhe kommen soll“ und mein Leben irgendwann ausschließlich darin bestehen soll, täglich irgendeinen Berg rauf und runter zu rennen oder mit den Walking-Stecken unterwegs zu sein oder tagaus tagein eine Radltour zu mache, ist mir unerträglich. Ich brauche immer was zum Denken, zum Entwickeln, zum Umsetzen, zum in die Welt bringen – und das werde ich auch tun, solange ich kann. Und irgendwann darf dann schon die „ewige Ruhe“ kommen – aber bitte jetzt noch nicht.

VOLL50: Legt man mit voll50 leichter alle Facetten der eigenen Persönlichkeit auf den Tisch oder schwerer?

Andrea Kirchtag: Es ist mir mit voll 50 nicht mehr so wichtig, mich unbedingt in allen Facetten zu zeigen. Ich wähle sehr genau aus, in welchen Kontexten ich mich wie zeigen will. Ich war immer schon ein Mensch, der sich selbst treu bleiben wollte. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich als junge Frau viel eher bereit war, Kompromisse einzugehen und mich auch anzupassen. Das interessiert mich jetzt gar nicht mehr. Ich weiß, dass ich meinen Weg gehe, meine Ziele verfolge, meine Standpunkte vertrete und gleichzeitig über ein gutes Maß an Selbstreflexion verfüge. Ich sehe es als Stärke an, auch die eigene Meinung zu ändern. Das gibt mir ein Gefühl von Verantwortungsbewusstsein und gleichzeitig von Sicherheit und Freiheit. Und wer mit mir nicht kann, muss ja nicht. Ich bin nicht auf dieser Welt, um so zu werden, wie andere mich haben wollen. Und siehe da: es gibt genug Menschen, die gerne mit mir in Verbindung stehen und genau dieses Mein-So-Sein sehr schätzen.

VOLL50: Wann fallen Arbeit und gesundes Nichtstun zusammen?

Andrea Kirchtag: Arbeit ist für mich ein Lebenselixier. Ich bin tatsächlich ein Mensch, der sehr, sehr gerne arbeitet. Mein berufliches Leben habe ich überwiegend der Unterstützung von Frauen in Richtung selbstbestimmtes Leben gewidmet – und das nach so vielen Jahren – jetzt sind es tatsächlich schon Jahrzehnte – mit der gleichen Freude wie eh und je. Und ich werde das weiterhin tun. Und es gibt viel zu tun, denn wir sind leider weit weg von der Gleichberechtigung der Frauen – in Österreich – in Europa – weltweit – LEIDER.

Und das gesunde Nichtstun? Das konnte ich früher besser. Ich bin vor allem seit Corona so extrem beruflich gefordert, dass ich aus dem Arbeiten nicht mehr rauskomme. Danke für diese Frage, denn es wird Zeit für mich, das gesunde Nichtstun wieder mehr in mein Leben zu integrieren.

VOLL50: Wie fordert man mit voll50 den inneren Zensor zum Tanzen auf?

Andrea Kirchtag: Der innere Zensor ist mein längster Vertrauter, Freund und Feind zugleich. Er ist immer bei mir und er nervt oft. Ich habe allerdings auch für mich entdeckt, dass ich eine innere Beraterin – eine innere Mentorin – ebenso habe. Und wenn der innere Zensor wieder einmal zu viel herumkritisiert, dann bitte ich diese innere Mentorin um ihre Unterstützung. Und diese innere Mentorin argumentiert so gut und stark, dass sich der innere Zensor „verzieht“ und Ruhe gibt. Bestimmt und liebevoll wird er dann für eine Zeit lang „in den Urlaub geschickt“ oder er darf sich wie eine Katze auf der Ofenbank ausruhen. Getanzt habe ich mit dem inneren Zensor noch nie – aber vielleicht sollte ich ihn einmal zum Tanz auffordern – mal schauen, was dann passiert.

www.frau-und-arbeit.at

Von der Selbstreflexion zum Selbstgespräch

Anzuerkennen, wie kreativ wir bereits im Alltag sind, ist für Susanne Perner wichtig. Genauso wie das Selbstgespräch, deren Vorteile sie absolut auf den Punkt bringt.

VOLL50: Wann wird Vielfalt realitätsfremd?

Susanne Perner: Vielfalt ist mir wichtig. Je älter ich werde, desto mehr erkenne ich sie. Und ich bin Anhängerin des Gender-Sternchens. Mit Freude sehe ich, wie oft es in meinem Umfeld genutzt wird, und mit fragendem Blick höre ich zu, wenn es von einigen ironisch bewertet und daher bewusst nicht genutzt wird. Leider aber erkenne auch ich Vielfalt nicht immer in ihrer Vielfältigkeit. So wird sie für mich „realitätsfremd“, wenn ich nicht mehr weiß, ob ich nicht jemanden ungewollt ausgelassen habe.

VOLL50: Wo hört mit voll50 die Fröhlichkeit auf und wird zur Ungeduld?

Susanne Perner: Bei mir setzt die Ungeduld ein, wenn ich sehe, wie wenig Mitmenschen ihre Meinung auch einmal in Frage stellen. Zum Glück handelt es sich häufig um jüngere Mitmenschen, so dass sich dann wieder Fröhlichkeit über meine erreichte Reife einstellen kann.

VOLL50: Wie viel Selbstüberwindung braucht frau, um in ihre Kreativität zu kommen?

Susanne Perner: Frau braucht vor allem die Erkenntnis, wie oft sie im Alltag bereits Kreativität walten lässt. Ganz ohne Selbstüberwindung. Mir würde oft helfen, das besser zu sehen und anzuerkennen.

VOLL50: Wann sind mit voll50 Selbstgespräche wertvoller als der austausch mit einem gegenüber?

Susanne Perner: Selbstgespräche haben für mich etwas Therapeutisches. Das besonders Wertvolle am Selbstgespräch ist, dass ich dazu keine Verabredung treffen muss – ich bin ja immer für mich da. Und meine Selbstgespräche zu komplexeren Gefühlsthemen haben einen großen Vorteil: Ich habe bereits alle relevanten Informationen, muss also niemandem langmächtig erklären, worum es geht.

VOLL50: Warum kann Selbstreflexion manchmal einsam machen?

Susanne Perner: Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht, aber es ist tatsächlich so: Menschen, die selbstreflektierter sind als ich, strahlen eine gewisse Autarkie aus. Anders als ich stellen sie regelmäßig sicher, dass sie mit sich „im Reinen“ sind. Über den Zusammenhang zwischen Autarkie und Einsamkeit muss ich nochmal stärker nachdenken. Demnächst. Am besten in einem Selbstgespräch.

Wechseljahre aus der Tabuzone holen

Sich mit einem breiten Lächeln zur dieser wechselvollen Phase eines Frauenlebens zu bekennen, schenkt Gelassenheit und kann sogar die nächste Hitzewallung verhindern. Hildegard Aman-Habacht weiß, wovon sie spricht.

VOLL50: Wie lässt sich ein offenes Herz und Verletzlichkeit verbinden?

Hildegard Aman-Habacht: Verletzlichkeit offenbart unsere Fehler, bringt uns in Verbindung mit unseren Ängsten und macht uns zu dem, was wir sind: zu Menschen. Menschlich zu sein heißt, verwundbar zu sein und öffnet Herzen. Emotionen, Gefühle und unser tiefstes inneres Sein kommen dabei zu Tage und zeigen unser wahres Ich. Damit können wir die Selbstlüge beenden, die wir vielleicht viele Jahre mit uns getragen haben. Damit können wir zu unseren Ängsten stehen, „Ja“ sagen zu unseren Zweifeln, uns selbst voller Ehrlichkeit begegnen, Neues entdecken, Balance finden und mehr und mehr bei uns selbst ankommen.

Verwundbarkeit im Außen zu zeigen, kann jedoch auch auf Unverständnis stoßen. Menschen werden in ihren eigenen Unzulänglichkeiten getriggert, zwanghaft Unterdrücktes kommt möglicherweise unkontrolliert hoch und entlädt sich explosiv. Jetzt heißt es noch mehr das Herz zu öffnen, indem wir das Gegenüber annehmen, wie es ist, ihm Liebe und Mitgefühl entgegenbringen.

Ein offenes Herz und Verletzlichkeit haben in unserer Welt wenig Platz und damit verbunden Mitgefühl, Einfühlsamkeit, Ehrlichkeit und Liebe. Doch ist es nicht gerade das, was Frau in den Wechseljahren benötigt? Um den Wechseljahren zu begegnen und all die Facetten der Millionen Farben des Wesens der Wechseljahre zu leben, darf Frau sich zunächst einmal verwundbar zeigen, indem sie sich ihre Wechseljahre eingesteht, sie aus der Tabuzone holt, indem sie öffentlich darüber spricht und sich zum nächsten Schweißausbruch voller Ehrlichkeit, mit einem breiten Grinsen bekennt. Nicht (mehr) perfekt zu sein, ist die verwundbare Seite für viele Frauen in den Wechseljahren. Doch sind es nicht gerade die Wechseljahre, die uns einladen, wieder bei uns anzukommen, nach vielen Jahren des Kümmerns um andere? Sind es nicht gerade die Wechseljahre, die uns auffordern unsere Träume und Visionen zu leben? Ja! Sie triggern es geradezu. Geben wir dem Begehren unseres Herzens nicht nach, stehen wir nicht zu uns und unseren Unzulänglichkeiten und zeigen uns damit weder verletzlich, noch verwundbar, rächen sie sich mit Hitzewallungen, Schlafstörungen & Co. Ein offenes Herz und Verletzlichkeit ist wie „Liebe ohne Kontrolle und Zwang“.

VOLL50: Wieviel Stabilität braucht frau mit voll50 für ihre Unabhängigkeit?

Hildegard Aman-Habacht: Unabhängigkeit zu leben braucht Mut, um die Komfortzone zu verlassen. Es braucht eine Menge an Vertrauen, Disziplin und Konsequenz. Unabhängig zu sein, neue Wege zu gehen, Visionen und Träume zu leben, bringt immer Instabilität ins Leben. Alles beginnt zu wanken, vieles gerät aus den Fugen. Doch die Wurzeln und die Selbstverständlichkeit zum Leben lassen auch den stärksten Baum im Sturm stabil im Boden verankert bleiben. In der Stabilität können wir unseren Selbstwert erkennen. Bei vielen Frauen ist dieser gerade in Wechseljahren nahezu abhanden gekommen. Sie meinen, nichts mehr zu taugen, zum alten Eisen zu gehören. Sie betrachten sich als ausrangiert und erkennen nicht, was sie in all den Jahren an Fähigkeiten, an Erkenntnissen und Erfahrung angesammelt haben. Die Frau Voll50 darf sich ihrer Weisheit bewusst werden und diese in vollen Zügen leben. Nur so kann sie ihr Wissen auf Schiene bringen und die ganze Welt daran teilhaben lassen. Selbst wenn die Stabilität zeitweise aus den Fugen zu geraten droht, es ist nur eine neue Ausrichtung, eine Umorientierung, das Entdecken der Einzigartigkeit. Mit offenem Herzen durch die Welt zu gehen und sich verletzlich zu zeigen, stärkt unsere Wurzeln, stärkt unseren Selbstwert und damit unsere Stabilität. Verständnis für den neuen Weg wird uns entgegengebracht und wir können unsere neue Unabhängigkeit mit viel Mut und Vertrauen erobern. Fehler werden akzeptiert, Umorientierung respektiert. Es geht darum „Die Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen“.

VOLL50: Wo verläuft die Grenze zwischen Lieben und Aufopfern?

Hildegard Aman-Habacht: Sich aus Liebe aufzuopfern, ist unbewusst an Bedingungen geknüpft. Wir wollen doch alle geliebt werden, am liebsten so, wie wir sind. Das veranlasst uns dazu, Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Ganz tief in unserem Inneren schwingt die Sorge mit, dass wir möglicherweise nicht mehr geliebt werden, dass wir abgelehnt werden, wenn wir den Liebsten nicht unter die Arme greifen. Sich aus Liebe aufzuopfern beruht immer auf Ängsten. Es ist keine wertfreie Liebe, sondern an eine Bedingung geknüpft: „Wenn,… dann… hast du mich lieb, nimmst mich an, …!“

Zu lieben, aus Liebe etwas zu tun oder nicht zu tun, ist eng an Dankbarkeit, Demut, Selbstakzeptanz und Mut gekoppelt, ohne Regeln und ohne Bedingungen.

Um die Grenze zwischen einem wirklichen Liebesdienst und einer Aufopferung zu finden, bedarf es, diese bewusst gesetzten Bedingungen an die Liebe zu hinterfragen. Um wirklich frei unseren Weg durch die Wechseljahre zu gehen, dürfen wir all diese Begrenzungen loslassen, alle Regeln für die Liebe umstoßen und Liebe einfach fließen lassen.

Das geschieht jedoch erst, wenn wir uns selbst so annehmen können, wie wir sind, zu unseren Entscheidungen stehen, ohne Wenn und Aber, dankbar sind für das was ist, den Mut haben uns verletzlich zu zeigen, unsere eigenen Ängste annehmen und vieles mehr.

Und damit bedingt die Liebe das Ende des Kämpfens, ein Ende der Widerstände und der Opferhaltung. Die Grenze verläuft dort, wo es „frei fließt“, offen – ehrlich – direkt!

VOLL50: Wie fängt frau mit voll50 ihren kreativen Geist ein?

Hildegard Aman-Habacht: Der Ausdruck der eigenen Bedürfnisse und Wünsche, gepaart mit einem authentischen Leben voller Leidenschaft, bringt der Frau in den Wechseljahren ihre Kreativität näher. Dazu bedarf es die Rollen, die nicht mehr zu ihr passen, jeden Tag etwas mehr zu entdecken, und sie mehr und mehr loszulassen.

Oft sind wir Frauen Voll50 zugemüllt mit Selbstkritik und Wutemotionen, Unausgesprochenem die uns Kraft, Energie und den Zugang zu unserer Kreativität rauben. Reflexion, Arbeit an sich selbst, Weiterentwicklung, Öffnung für spirituelle Ansätze bringen uns wieder in Verbindung mit unserer Einzigartigkeit, unserem Potential, unseren Fähigkeiten und unserer Leidenschaft.

Dann ist es Zeit sich Raum zu nehmen, um den Träumen und Ideen Gestalt und Ausdruck zu verleihen. Doch auch dazu braucht es Mut, denn es zieht oft eklatante Veränderungen mit sich. Der kreative Geist der Wechseljahre schenkt der Frau Voll50 all die Energie, die Kraft und das Vertrauen die es für diesen wichtigen Schritt braucht.

VOLL50: Was ist die Sonnenseite von Resignation?

Hildegard Aman-Habacht: Resignation führt uns tief hinab in die dunkelste Ecke unserer Seele. Traurigkeit, Melancholie, Frustration und vielleicht auch ein bisschen Wut formieren sich. Viele Frauen in den Wechseljahren leiden, im wahrsten Sinn des Wortes unter Depression und Resignation. Tagelang verschanzen sie sich in ihrer Einsamkeit, ihrer Schwermut und ihrem Weltschmerz. Schaffen sie es jedoch, diese Qualität für sich zu nützen, so schöpfen sie schlussendlich genau daraus die Energie, um wie der Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen. Frau Voll50 kann aus Resignation eine enorme Kraft mitnehmen, um tief in ihre Kreativität einzutauchen und Inspirationen, Visionen und Ideen für einen Neustart hervorzubringen. Es ist tatsächlich eine Veredelung, für die frau zuerst tief in sich gehen darf, bis an die Grenzen ihrer Seele.

www.meine-wechseljahre.com

„Gelassen, ohne dabei aggressiv zu werden“

Undiplomatisch nimmt sich Doris Wild die Freiheit, die sie braucht. Und geht ihren Weg mit viel Visionskraft, die sie aus dem Spielplatz Welt zieht.

VOLL50: Sind Frauen in unserem Alter gesellschaftliche Außenseiter?

Doris Wild: Die Frage gefällt mir. Schnell beantwortet „ja“, weil Du nirgends mehr wirklich dabei bist. Im Job tut man sich echt schwer, obwohl es momentan leichter ist, weil die Arbeitgeber jeden nehmen. Ein Beispiel: Während der Corona-Zeit habe ich mir überlegt, was ich tun könnte, weil alles, was ich kann, nicht mehr gefragt war. Ich habe Gerüstbau immer schon cool gefunden und zu meinem Freund gesagt, dass ich bei einem Unternehmen anfragen könnte. Da meinte er: „Du spinnst! Die nehmen bestimmt keine 50jährigen und schon gar keine Frau.“ Im Grunde erfülle ich aber alle Bedingungen. Ich habe Kondition, bin sportlich, kann gut klettern, habe keine Höhenangst. Und ich finde es lustig. Trotzdem habe ich mir gedacht, dass es nicht sein kann, dass man aufgrund des Alters und des Geschlechts aussortiert wird. Und an eine Supermarktkasse wollte ich mich wirklich nicht setzen, denn das wäre eine der wenigen Möglichkeiten gewesen. Die Idee habe ich aber dann aufgrund von ein, zwei Jobs in meiner Domäne fallengelassen. Aber vielleicht kriege ich ja einmal das Angebot, Gerüstbau einen Tag lang ausprobieren zu können.

Privat erlebe ich das nicht, weil ich einen festen Freund habe. Ich bin ja quasi nicht auf der Suche und muss nichts suchen, um nichts buhlen muss. Ich erlebe das Außenseitertum nur beruflich.

VOLL50: Wie kann frau mit voll50 empathisch sagen, dass man seine Freiheit braucht?

Doris Wild: Das ist nicht altersabhängig. Dass ich meine Freiheit brauche, habe ich immer und in jeder Sekunde gesagt. Ich brauche ganz, ganz, ganz viel Freiheit. Und alle rings um mich herum leiden darunter, aber ich nehme sie mir trotzdem. Ich mache mir keine Gedanken, wie ich das empathisch sagen könnte, sondern tue es einfach. Das war immer schon so. Ich renne jeden Tag gegen die Mauer wie früher, ich ecke jeden Tag an wie früher und bin genauso undiplomatisch wie früher. Das einzige, was sich verändert hat: Heute weiß ich, dass es unklug ist, und damals habe ich mir nichts dabei gedacht. Und obwohl ich mir etwas dabei denke, tue ich es trotzdem.

VOLL50: Was kann man einem Sturm der Emotionen entgegensetzen?

Doris Wild: Zurücklehnen, nicht ankommen lassen bei einem selbst. Das hat sich mit zunehmendem Alter gebessert. Wenn jemand völlig aufgelöst auf mich zukommt oder mich in den ärgsten Tönen beschimpft, wäre ich früher sofort eingestiegen und hätte dagegen gehalten. Jetzt schaffe ich es meistens schon, dass ich mich zurücklege und mir denke, dass es nicht so schlimm ist. Eigentlich berührt es mich gar nicht mehr so. Und ich selber kann man auch nicht mehr so in Dinge hineinsteigern wie früher. Also in die negativen. In die positiven Dinge kann ich das nach wie vor. Ich weiß nicht, ob ich da klüger geworden bin. Auf jeden Fall fühle ich mich nicht mehr so schnell angegriffen. Ich war ja früher extrem agressiv und streitsüchtig und habe jeden bildlich gesprochen gleich gebissen, der mir mit leichten Emotionen kam. Jetzt überlebt das Gegenüber. Ich sehe es gelassener, obwohl ich dieses Wort früher gehasst habe. Ich kann mich noch an ein Gelassenheitstraining erinnern und allein dieser Titel hat mich auf die Palme gebracht. Damals habe ich mir gedacht: „Das will ich nicht, das brauche ich nicht, so will ich nie werden.“ Für mich war es damals das Schlimmste, wenn man nichts mehr spürt, keine Gefühle zurückgeben kann. Und jetzt bin würde ich sagen, dass ich gelassener bin. Und ich kann dieses Wort sogar schon aussprechen, ohne dass ich aggressiv werde.

VOLL50: Wie verändern sich mit voll50 die eigenen Visionen?

Doris Wild: Sie verändern sich bei mir im Rhythmus von ungefähr fünf Jahren. Ich habe immer andere Ziele, andere Visionen. Die Grundvisionen und Träume sind immer die gleichen. Manches ist abgehakt, wie gewissen Urlaubsziele oder Jobs. Fernsehredakteurin zu sein, brauche ich nicht. Gehabt, erledigt, danke. Ich habe immer noch eine Million Visionen und Ziele, die ich erreichen möchte. Dafür muss ich sicher noch 200 Jahre leben, um sie umzusetzen. Und jedes Jahr kommen zehn neue Dinge dazu, von denen ich glaube, sie machen zu müssen. Und vieles davon hatte auch mein jüngeres Ich schon, vielleicht nicht zu klar und deutlich, aber doch. Bei mir läuft das Leben total stringent. Wenn ich mich daran erinnere, was ich als Fünfjährige gedacht und getan habe, hat sich das bereits abgezeichnet. Was aus mir wird, wie es wird, was meine Ziele sind, war von der ersten Sekunde an klar, auch wenn es nicht wirklich wahrgenommen und ernst genommen wurde. Und ich selbst habe es bis 20 noch gar nicht gecheckt, dass es so läuft. Damals habe ich mich noch viel zu sehr beeinflussen lassen. Das gibt es jetzt nicht mehr. Da kann jeder sagen, dass es Scheiße ist, dass ich es nicht kann – ist mir wurscht und mache es trotzdem. Und das gilt auch für „Dafür bist Du zu alt.“ Ab 50 wird es dann ganz schlimm. Aber solange ich Spaß bei etwas habe, mache ich’s einfach.

Es ist eine Frage der Zielgruppe, weil ja die anderen immer schubladisieren. Ich bin ja nicht die typische 50jährige, visuell sowieso nicht und von den Interessen nur bedingt. Was macht man mit so einer 50jährigen? Die Werbezielgruppe geht bis 49, und ich bin eigentlich genau die typische Vertreterin dieser Zielgruppe, der ich altersmäßig nicht mehr entspreche. Das war für mich ein Frust, dass ich irgendwann einmal nicht mehr zu meiner Zielgruppe gehört habe. Ausrangiert.

Insofern kann einfach keine Schublade dafür geöffnet werden. Meine Vision ist, dass meine Schublade trotzdem geöffnet wird, weil andere auch erkennen, die ähnlich ticken, dass wir etwas tun müssen, um gesehen zu bleiben.

VOLL50: Was stärkt die Lust auf Abenteuer?

Doris Wild: Phantasie, Kreativität, jeden Tag Inputs von anderen, die mich inspirieren. Dinge, die ich wahrnehme. Bei mir ist die ganze Welt ein großer Spielplatz. Abenteuer ist da, man muss es nur aufheben. Aber anfangen sollte man damit früh. Wenn ich Mütter auf Spielplätzen beobachte, schauen sie ihren Kindern beim Spielen zu. Besser wäre, sie würden mit ihren Kindern spielen. Dieses Mitspielen darf man sich nicht austreiben lassen. Das ist bei ganz vielen Menschen aktuell das Problem. Dass sie sich komisch vorkommen, wenn sie Dinge spielerisch erarbeiten sollen oder an sie spielerisch herangehen sollen.

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„Werde oft von meiner Unberechenbarkeit überrumpelt“

Man hat nichts zu verlieren, wenn man mit voll50 Mut beweist. Eines allerdings sollte man keinesfalls tun: Gleichgültigkeit zur Tugend erheben, sagt Angelina Pucher.

VOLL50: Wann schließt es sich nicht aus, unberechenbar und gleichzeitig planungsfähig zu sein?

Angelina Pucher: Ein freier Mensch ist für andere immer unberechenbar und fast eine Zumutung. Die Natur ist immer unberechenbar und doch gleichzeitig planungsfähig. Irgendwann kommt der Frühling, der Sommer, der Herbst und der Winter. Planbar, dass die Bäume im Frühling blühen, um im Herbst Früchte zu tragen. Unberechenbar das Wetter, das Blüten erfrieren oder erblühen lässt…. Ich selbst werde oft von meiner Unberechenbarkeit überrumpelt. Aber wenn Kinder oder Tiere oder manche Menschen mich brauchen, so bin ich voll planungsfähig und bleibe dennoch unberechenbar, weil es viele Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu lösen, wenn man sich die Freiheit erlaubt, schnell auf die Situation zu reagieren und zu handeln, mit bestem Wissen und Gewissen.

VOLL50: Wie hoch darf der Mut fliegen mit Voll 50 ?

Angelina Pucher: Sehr hoch, denn was hat man zu verlieren? Mit Mut kann nur gewonnen werden. Der Mut sich selbst zu sein, mit graumelierten Strähnen, ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen, einer Zahnlücke, ungeputzen Fenstern, weil anderes wichtiger ist, den Mut zu seinen „Fehlern“ zu stehen. Den Mut zu tun, was gerade für einen richtig ist, den Mut zu sagen, was man denkt – auch wenn man dadurch zum Außenseiter wird und angekreidet. Zivilcourage zu zeigen ist ebenso Mut, wie vehement für eine Sache eintreten, bis sie durchgeboxt ist. Es gehört auch Mut dazu, deutlich Nein zu sagen und zu seinem Standpunkt zu stehen.

VOLL50: Kann Gleichgültigkeit zur Tugend werden?

Angelina Pucher: Gleichgültigkeit darf nie zur Tugend werden. Menschen, die einem anderen gleichgültig sind, sind ja fast schon wie gestorben. Und der Mensch, dem alles gleichgültig ist, ist in meinen Augen ein sehr armer Mensch, der sich nicht mehr berühren lässt, im Innen und im Außen. Gelassenheit kann zur Tugend werden, aber niemals Gleichgültigkeit.

VOLL50: Fällt Anpassungsfähigkeit mit Voll 50 leichter oder schwerer?

Angelina Pucher: Anpassungsfähigkeit an die Rhythmen der Natur sind mir immer leicht gefallen, weil ich dadurch ein Teil eines Ganzen bin. Anpassungsfähigkeit an ein Gesellschaftsbild, um zu entsprechen, wie „man“ mich haben will, ist mir nie wirklich gelungen. Wenn ich es versucht habe, so habe ich mich schnell verloren und so manche Krankheit hat mich dann auf meinen Weg zurück geführt. Für mich als Menschen mit „Eigensinn“ war und ist Anpassungsfähigkeit an die Normen einer Gesellschaft immer schwer und wird mit Voll 50 definitiv nicht leichter. Muss ich aber auch nicht!

VOLL50: Worauf lohnt es sich zu warten?

Angelina Pucher: Warten hört sich ein bisschen an wie vertane Zeit. Wenn ich irgendwo warten muss, dann hab ich immer ein Buch dabei zum Schreiben oder Lesen. Aber es lohnt sich für mich, mich freudig erwartend in die Zeit zu träumen, wo meine Bücher verlegt werden und ich Geld mit dem Schreiben verdienen kann, ohne dabei meine Freiheit und heilige Ruhe in meinen geliebten Bergen zu verlieren. Und ich harre erwartungsfroh dem Tag entgegen, wo sich ein Regisseur findet, um das Leben der magersüchtigen angepassten Schülerin, Studentin, wild entschlossenen Freiheitskämpferin, Umweltschützerin, Auswanderin, der genesenen Sennerin, Mutter, Vollblutbäuerin, Autorin, Fotografin, Tänzerin, Krebspatientin, Ehebrecherin, Großmutter, Jägerin, …….. zu verfilmen.

www.sturm-archehof.at

Die Königin wirft keine Perlen vor die Säue

Die Gesetze einer Voll50-Frau kennt Gabriele Güntert aus dem Effeff. Deshalb plädiert sie dafür, endlich als „noble role models“ in Erscheinung zu treten.

VOLL50: Welche (unsichtbaren) Gesetze sollte frau mit voll50 intus haben?

Gabriele Güntert:

…die Gesetze von Mutter Erde, vor allem: wir sind alle eins!

…das 50+ Gesetz: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“,

…das Gesetz, dass die 5. Jahreszeit, der Altweibersommer, kein Schimpfwort, sondern in Wirklichkeit unsere Zeit, nämlich die Zeit der hohen/weisen Frauen ist;

…das Gesetz der NO BRA Bewegung, welches die Wirkung von BHs anzweifelt 

…das Gesetz über die fünf Denkdisziplinen, aus denen sich unsere innere Führung zusammensetzt: Inspiration, Intuition, Herzintelligenz, Ratio und Absicht (Vivien Dittmar) und, am Wichtigsten:

… whatever the problem, community is the answer (Margaret Wheatley)

VOLL50: Wann ist es g’scheit, den Verstand zu analysieren?

Gabriele Güntert: Den Verstand zu analysieren ist immer g‘scheit – dann merken wir nämlich, dass wir gar nicht unser Verstand sind, sondern dieser lediglich ausspuckt, was wir zutiefst ersehnen oder fürchten oder manchmal beides. Dann merken wir außerdem, dass dies oft genug bloß unser monkey mind ist, der da in uns rumhüpft und uns ver-rückt macht und uns vorgaukelt, unsere oberste Instanz zu sein. …if you end up with a boring miserable life because you listened to your monkey minds in your head (teachers, parents, priests….) telling you how to do your life, then you deserve it (frei nach Frank Zappa). Also: knips an das Licht, schau genau bis in die dunkelsten Ecken deines Gehirnes und verjage, was da drinsitzt und dir nicht guttut!

VOLL50: Wie lässt man mit voll50 am elegantesten die Noblesse durchscheinen?

Gabriele Güntert: Noblesse, also von adeligem Blut sein – nun, unser Monatsblut ist ja schon an sich adelig, ist es doch unsere zutiefst ehrenvolle Gabe, Leben schenken zu können. So sind wir Frauen also von Natur aus adelig! Leider ist uns allen das ziemlich abtrainiert worden, und wir haben gelernt, es zu verstecken – nicht nur unser Blut, auch unsere Kraft. Mit voll50, wenn das Monatsblut vergeht, darf sich die reife Königin in uns erheben, denn wir sind aufgerufen als noble role models mutig voranzugehen und vorzuleben, was Frausein 2.0 bedeuten kann. Und das kann auch mal ganz unnobel sei. Also: kein elegantes „Durchscheinen“, sondern ein lebhaftes kräftiges Lebenszeichen setzen, denn das braucht unsere Welt heute mehr denn je!

VOLL50: Welchen Unterschied gibt es zwischen Präsenz und Aufmerksamkeit?

Gabriele Güntert: Präsenz – da bin ich ganz da, voll in mir und voll im außen, da bin ich in meiner Power und spüre mich ganz, von den Zehen bis in die Haarwurzeln, da bin ich authentisch und weiß intuitiv, was ansteht, was gebraucht wird, was ich geben kann und will. Da weiß ich ganz intuitiv, welche ich bin und welche ich sein und werden will, da gibt’s kein ‚Vielleicht‘, sondern nur ein ‚Leben ist jetzt und jetzt und jetzt‘, und das strahle ich mit meinem ganzen Wesen aus. Aufmerksamkeit ist stiller, ich merke auf – ich be-achte, ich lenke meine Wahrnehmung auf einen Menschen, ein Ding, eine Situation, ein Gefühl. Ich konzentriere mich für eine bestimmte Zeit auf etwas und schenke dem meine Hin-wendung; dies kann nach innen gerichtet sein oder nach außen, es kann mich entspannen, langweilen, inspirieren, erfreuen, ängstigen ….. es macht etwas mit mir, bis ich meine Aufmerksamkeit wie einen Scheinwerfer auf etwas anderes richte.

Meine Präsenz, das bin zutiefst ICH und sie beinhaltet meine Geschenke für die Welt, meine Aufmerksamkeit ist ein Energiestrom den ich etwas oder jemandem zufließen lasse.

VOLL50: Wem entzieht man mit voll50 am besten beides?

Gabriele Güntert: Meine Präsenz jenen Menschen, die dieser nicht würdig sind, weil sie achtlos und unwertschätzend mit mir umgehen, mich benützen, ausnützen. Meine Aufmerksamkeit Menschen, die diese aufsaugen wie ein Schwamm, ohne daraus irgendeine Entwicklung für sich zu kreieren sowie Dingen/Situationen, die ich nicht beeinflussen kann, wo meine Aufmerksamkeit sich wie ein Bumerang ins Negative kehrt und mich mit sich runterzieht.

Die Königin lädt ein, sie bettelt nicht und wirft keine Perlen vor Säue. Sie weiß, wann es Zeit ist zu gehen, weil alles andere vergebene Liebesmühe wäre.

Kontakt: gabriele. guentert@sol.at

Dankbar sein ist essenziell

Dampf ablassen mit Musik und Farbe – das hilft Daniela Steinbach. Und auch, das „Hirn tschechern“ produktiv zu nutzen und in Ideen münden zu lassen.

VOLL50: Wann sind innere Dialoge mit voll50 fruchtbar statt furchtbar?

Daniela Steinbach: Ich finde, dass sie immer fruchtbar sind. Wenn man sozusagen drauf los denkt und seinen Gedanken freien Lauf lässt, dann geht etwas weiter. Also habe ich eigentlich gar keine inneren Dialoge, sondern ganz viele Gedanken. Mein verstorbener Schwiegerpapa Otto hat das „Hirn tschechern“ genannt. Ein sehr treffender Ausdruck! Als ich viel jünger war, habe ich oft darüber nachgedacht, wie ich sein soll. Was ich wollen soll. Und so weiter. Das war mitunter mühsam, gehört aber sicher dazu…es gibt viele Etappen im Leben.

VOLL50: Bewusst zuhören – wie geht das?

Daniela Steinbach: Puh, das finde ich manchmal ein bissel schwierig! Ich höre einerseits total bewusst und gerne zu und bin wohl auch eine Art Medium. Oft erzählen mir fremde Menschen ihre Geschichten, Freundinnen und Freunde und meine große Tochter sowieso. Andererseits neige ich schon auch zum Unterbrechen, weil ich zum Beispiel sofort was Tröstendes einbringen mag. Dann höre ich wieder weiter zu. Daran will ich arbeiten. Das bewusste Zuhören ist noch viel schöner, wenn man nicht unterbricht! Mir selbst geht es auch voll am Keks, wenn ich unterbrochen werde.

VOLL50: Wie wichtig sind Vorbilder mit voll50?

Daniela Steinbach: Vorbilder werden zum Glück immer unwichtiger. Das ist das Schöne am voll 50 sein. Man entdeckt (und vielleicht auch schon ab 40 plus), dass man ein Unikat ist. Mit Stärken und Schwächen. Dass jeder einzelne Mensch ein Unikat ist und sein volles Potential ausschöpfen kann. Es braucht keine Vorbilder. Wobei es aber Menschen gibt, die man super findet oder das, was sie machen! Befremdlich finde ich es, wenn sich Frauen ab 40 plus oder gar noch jünger die Lippen verändern und neu formen oder die Nasen korrigieren lassen. Selfies mit vollen Lippen werden ins Netz gestellt, und man wünscht sich den Daumen hoch. Es ist wie mit allem. Inhalte in den sozialen Netzwerken können nützlich und amüsant sein. Aber auch gefährlich. Zum Beispiel was Vorbildwirkungen betrifft. Im Übrigen finde ich eine Nase mit einer Kurve oder einem kleinen Höcker schöner als eine ganz gerade 😊

VOLL50: Was hilft, wenn frau Dampf ablassen muss/will?

Daniela Steinbach: Wenn ich Dampf ablassen muss und will, dann male ich große bunte Bilder. Das ist mein Hobby. In den vergangenen Jahren hatte ich auch Ausstellungen mit Vernissagen. Und ich höre laut Musik und singe dazu. Meine Familie leidet dann immer, weil ich selten textsicher und auch melodiös nicht unbedingt sattelfest bin. Aber das ist mir Wurst! Außerdem schreibe ich Geschichten und Artikeln.

VOLL50: Führt Selbstreflexion mit voll50 immer zur Vision?

Daniela Steinbach: Nicht immer, aber es kann schon sein. Ich würde gerne noch Folgendes sagen (auch wenn nicht danach gefragt wird): Das Alter ist nur eine Zahl. Es gibt Menschen, die sind bereits mit Anfang 20 alt. Es gibt welche, die sind mit 85 extrem jung. Ich habe mal die Schauspielerin Gusti Wolf im Burgtheater gesehen. Damals laut Geburtsjahr sehr betagt. Auf der Bühne ist ein junges Ding herumgehüpft. So schön war das anzusehen! Das Leben ist herrlich und will genossen werden. Gute Gedanken denken, so oft es geht. Und wenn sich zwischendurch weniger gute einschleichen, dann umschwenken und wieder gute denken. Dankbar sein. Das ist essenziell.

www.danielasteinbach.at

Vom Nestchen am Boden des Herzens

Fotokredit: Dr. Susi Nagele

Wenn es nach Monika Krautgartner geht, ist Willenlosigkeit keine wünschenswerte Strategie. Vielmehr bestimmt Leidenschaft, Kompetenz und Fokus ihr Leben.

VOLL50: Welche Leidenschaft schafft mit voll50 keine Leiden?

Monika Krautgartner: Dinge, die ich mit Leidenschaft mache, machen mich auch glücklich, ergo verursachen sie keinen Leidensdruck, sondern Glückseligkeit und Euphorie. Natürlich zeigt mir mein Körper andere Grenzen auf, als es ein jüngeres Model tun würde. Doch meinen Leidenschaften fröne ich nach wie vor aus ganzem Herzen, sonst wären es ja auch keine Leidenschaften, sondern bestenfalls liebenswerte, lauwarm praktizierte Hobbys.

VOLL50: Wann ist Willenlosigkeit erlaubt, vielleicht sogar erwünscht?

Monika Krautgartner: Ich kann mir gar nicht vorstellen, meinen (doch recht ausgeprägten) festen Willen auszuschalten oder mich treiben zu lassen. Willenlosigkeit setze ich mit der Vorstellung gleich, dass jemand anderer das Ruder in Händen hält und „seinen Willen durchsetzt“. Das ist bei Gott keine sehr wünschenswerte Lebensführungsstrategie für mich. Ich liebe das Gefühl, die Herrin meines Geschickes zu sein, wohl wissend, dass manche Ereignisse außerhalb meines Einflussbereiches und auch „beim besten Willen“ nicht machbar sind. Aber: probieren tu’ ich’s immer. Ich habe es gern, wenn es nach meinem Willen läuft, um der Schönheit willen, um des Lebens willen, um meinetwillen.

VOLL50: Welche Kompetenzen werden mit voll50 weniger wichtig?

Monika Krautgartner: Mir scheinen alle jemals erworbenen Kompetenzen bedeutend und wichtig, vielleicht ist das Ergebnis allen erworbenen Wissens und aller erlernter Fähigkeiten die Basis für die vielzitierte gelassene Altersweisheit (die entdecke ich allerdings leider noch nicht an mir). Wer weiß? Ich genieße es, was zu können, was zu tun, was zu sein, wofür ich geackert habe. Für mich sollte die Frage eher „Welche Kompetenzen werden mit voll50 wichtiger?“ heißen, denn in meiner derzeitigen Lebensphase gibt es aufregende neue Dinge, ungeahnte Betätigungsfelder und überraschende familiäre Aspekte in den bestehenden Alltag zu integrieren.

VOLL50: An welcher Stelle muss man über Gefühle sprechen, an welcher sollte man sie verschweigen?

Monika Krautgartner: Ich habe gelernt, mit meinem Mann über meine Gefühle zu sprechen. Allerdings, das gebe ich gerne zu, bin ich kein Vorzeigemodel in Sachen emotionale Transparenz und Gesprächsbereitschaft zum Thema „Ich, mein Herz, meine Seele“. Ich habe immer das Gefühl, über meine Nöte und Sorgen mit jemandem zu sprechen, macht mich klein, verwundbar und schwach. Das möchte ich niemals sein, und es würde auch, glaube ich, niemandem in den Sinn kommen, mich so zu beschreiben. Ich finde es prinzipiell gut, nicht jedermann(frau) die eigene Gefühlswelt auf die Nase zu binden, zumal kein Satz, der je gesprochen wurde, wieder eingefangen werden kann und dem Gegenüber in Erinnerung bleibt. Das mag ich nicht. Mein Innenleben schlummert in einem tiefen, dunklen Nestchen am Boden meines Herzens und dort ist es gut aufgehoben.

VOLL50: Kämpft man mit voll50 noch um Kontrolle oder lernt man langsam, sie loszulassen?

Monika Krautgartner: Eines Tages werde ich meine Seele freigeben, das Leben loslassen, und beides in Gottes gütige Hand legen. Das wird sein, wenn ich sterbe. Ich vertraue darauf, dann aufgefangen zu werden, ich bin sehr gläubig. Bis dahin allerdings behalte ich (sofern mir meine geistige Gesundheit keinen Streich spielt) die Kontrolle über alle meine Lebensbelange. Dass ich um Kontrolle „kämpfe“, wie in der Eingangsfrage formuliert, stimmt allerdings nicht. Ich habe von jeher die Kontrolle über mein Leben, dessen bin ich mir bewusst und das mag ich, und muss nicht um sie kämpfen. Niemand kann sie mir streitig machen.

www.krautgartner-monika.at

Ein respektables Weib

Elfriede Grömer ist nicht nur bei Schönwetter loyal und immer dann charismatisch, wenn sie Menschen erreichen kann. Und sie ist dankbar für jede Enttäuschung, die ihr widerfährt.

VOLL50: Wann gehst Du die Dinge langsam an?

Elfriede Grömer: Es kommt darauf an, ob ich mit ganzem Herzen bei der Sache bin oder ob es sich um profane Dinge des Alltags handelt. Letztere schiebe ich gerne ein wenig vor mich hin. Solange ich mich kenne, habe ich Herzensangelegenheiten ohne Umschweife oder langes Überlegen angepackt. Dazu gehört absolut und in erster Linie die Musik und derzeit mein Naturstammhaus-Projekt. Das hat sich mit Voll Fünfzig nicht verändert, ist eher noch dringlicher geworden, weil mir meine Endlichkeit immer mehr bewusst wird. Behördenkram würde ich manchmal gerne auf den St.Nimmerleinstag verlegen, wenn es nur ginge. Wenn es sich jetzt um Zwischenmenschliches handelt, überlege ich genau, wie viel Nähe ich zulassen will und halte mich sehr zurück. Da kann schon einmal ein halbes Jahr vergehen, ohne dass ich Kontakt suche. Damit stoße ich sicher öfters jemanden vor den Kopf, aber das liegt daran, dass ich mit Hals-über-Kopf-Beziehungen sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe.

VOLL50: Wie gestaltet man mit Voll Fünfzig am Besten die Zukunft?

Elfriede Grömer: Nichts aufschieben, was Freude macht! Sich ein gewisses Phlegma aneignen! He, du hast es geschafft, so halbwegs gesund und fit den finalen Lebensabschnitt zu erreichen. Die Aufreger von Gestern sind Schnee von Gestern. Das scheint zwar sehr egoistisch zu sein, aber verdammt! Wer hat uns das Recht auf gesunden Egoismus abgesprochen? Muss Frau, sobald sie des Alltagstrotts und der Dreifachbelastung ledig ist, sich sofort in die nächste Dreifachbelastung stürzen? Wer oder was befiehlt uns, dass wir ab dem Rentenalter die Uralten, Säuglinge und Kleinkinder und diverse einsame NachbarInnen zu betreuen haben? Das heißt nicht, dass ich es gerne von Zeit zu Zeit und in dringenden Fällen mache, aber nicht als Vollzeitpflegekraft ohne Entlohnung. Wann fände ich dann die Zeit für meine Musik, den Spanischkurs, die Walkingrunden mit der Freundin, für das Malen und Schreiben und fürs Sechseck-Rundstammhäuschen mit Autarkiekonzept? All die Dinge, die wirklich lange in mir schlummern mussten und jetzt mit aller Kraft heraus brechen.

VOLL50: Wie viel Hoffnung steckt in Enttäuschung?

Elfriede Grömer: Das Wort ‚Enttäuschung‘ birgt in sich schon Magie. Es hebt den Schleier der Selbsttäuschung, und das ist heilsam. All die Enttäuschungen meines Lebens haben mich vieles gelehrt. Erstens bewusster hinzusehen bei allzu freundlichen Personen. Zweitens nicht gleich alles zu glauben und bei Zweifeln nachzubohren und zu hinterfragen. Im Grunde passieren mir Enttäuschungen, wenn ich Erwartungen habe, die relativ unrealistisch sind. Ich danke dem Leben für jede Enttäuschung, sie haben mich zu dem respektablen Weib gemacht, das ich jetzt bin.

VOLL50: Hat Frau mit Voll Fünfzig gelernt, ihr Charisma einzuschätzen?

Elfriede Grömer: Sobald ich authentisch bin, spüre ich, dass ich Menschen erreichen kann. Zum Beispiel als eine Hälfte des Duos Hollapercht, das ich mit meiner Schwester Christiane gegründet habe. Dank der Gabe, mich selbst nicht tierisch ernst zu nehmen, gelingt es mir ganz gut, mit meinem Charisma umzugehen und es bei Auftritten bewusst einzusetzen. Es war zwar ein langer Prozess, denn als junge Frau habe ich meinem Charisma nicht vertraut, mich im Gegenteil immer gewundert, weshalb ich manchmal plötzlich Mittelpunkt war. Dabei machte ich die Entdeckung, dass ich in diesen Situationen völlig losgelöst, unbeschwert und charmant war, sozusagen die Sau heraus gelassen habe. Ich darf nur den Zeitpunkt nicht übersehen, wenn ich in Schwung bin, mich wieder zurückzunehmen. Denn wie bei allen Dingen, ist allzu viel eher ungesund.

VOLL50: Wann wird Loyalität zum Kampf?

Elfriede Grömer: Wenn der geliebte Mensch, hinter dem ich immer voll und ganz gestanden bin, den ich gegen Anfeindungen verteidigt und bei allem unterstützt habe, sich plötzlich total von mir lossagt. Es erfordert schon eine Eselsgeduld, weiterhin loyal zu bleiben und nicht an dem zu zweifeln, was uns bisher verbunden hat. Ab und zu kommt mir zu Ohren, dass genau dieser Mensch in der Öffentlichkeit schlecht über mich spricht, aber auch da bin ich eher jemand, der erst selbst nachfragt, was dahinter steckt, bevor ich Gerüchten glaube. Die letzte Option ist, sich von der Person loszusagen, und einige Male hab ich schon ewig lange zugesehen, bis ich diesen endgültigen Schritt gewagt habe. Doch dann ist es wirklich endgültig! Schwierig sind auch die Situationen, wenn sich alle Welt gegen jemanden verschworen hat, den ich sehr mag, schlimme Dinge von der Person behauptet werden und ich scheinbar die Einzige bin, die noch zu ihr hält. Dann: siehe Strategie Nummer Eins. Nachfragen, was davon wahr ist. Wenn es um Familie geht, ist Loyalität sowieso eine Frage der tiefen Verbundenheit und obligat. Außer es ist Gewalt im Spiel oder krankhaftes Suchtverhalten, bei dem man die geliebte Person wirklich fallen lassen muss, um ihr die Chance auf Rettung nicht zu verbauen. Das ist mir zum Glück in meinem Leben erspart geblieben und darum stand meine Loyalität noch nie auf dem härtesten Prüfstand.

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